Ich bin der Geist der stets verneint, das Schlagerbusiness von der dunklen Seite aus betrachtet!

„Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner…“ lass es gut sein, Hotte! Ich habe es verstanden. Schön, dich zu sehen und zu hören. Ich konnte nicht mehr mit ansehen, wie du dir den Kopf über die Schlagerindustrie zerbrichst, Meschugge. Ich werde dir Kraft meines Amtes einen Einblick in die Arbeitsagentur der verlorenen Seelen geben. Sei aber bitte nicht enttäuscht, wenn es nicht so aussieht wie auf dem Weltgerichtstryptychon von Hieronymus Bosch. Es hat eher etwas sachliches deutsches. Also Großraumbüro oder so? Naja so ungefähr. Die Unterhaltungsindustrie ist auch nicht mehr das, was sie war. Alles ist auf Kommerz ausgerichtet, seelenlos eben. Man könnte meinen, Lucifer hat die Sinnlosigkeit seines Handelns eingesehen und weiß, dass er gegen Gott nicht gewinnen kann. Deswegen werden die Schlagerausgeburten der Hölle immer austauschbarer. Wo ist denn dieses Großraumbüro der Schlagerhölle? Du wirst es nicht glauben, Lucifer hat sich einen Teil seiner Ironie bewahrt. Der Eingang zur Unterwelt der Schlagerindustrie ist in Elend (Sachsen- Anhalt). Goethe hat hier schon mit Hilfe Lucifers Teile seiner Tragödie „Faust“ geschrieben. Übrigens kann ich endlich die Frage beantworten, warum Schlager so beliebt ist. Hmm, ich versuche es einmal unkompliziert, es handelt sich um eine anoxygene umgekehrte Photosynthese, die durch eine akustische Infektionskrankheit (acusticus externus infectio) ausgelöst wird. Hä, das soll unkompliziert sein? Außerdem gibt es Photosynthese doch bloß bei Pflanzen? Nein da irrst du, Meschugge. Stephen Hawking ist ja seit kurzem bei uns und er ist gerade dabei, diese Plage der Menschheit zu erforschen und zu bekämpfen. Der war doch Physiker. Ja das war er, aber wußtest du, dass er eigentlich Medizin studieren wollte? Nein, das wußte ich nicht. Also Stephen hat es mir versucht zu erklären. Mal sehen ob ich es noch zusammenbekomme. Es ist ein Abbau von Biomasse unter Ausschluss von Sauerstoff. Wie die Enzyme akustisch in der  Zielperson angesprochen werden, ist noch ein Rätsel. Wir haben mehrere Testpersonen (Sachsen) gehabt. Übrigens wurden für diese Tests keine Personen gequält, gefoltert oder getötet, denn sie waren ja schon verstorben. Die Studie ist natürlich nicht repräsentativ, weil wir speziell sächsische Probanden hatten. Wir haben aber Alter, Bildung, Berufstätigkeit, aufgewachsen in der DDR und danach einfließen lassen. Und soll ich dir etwas sagen, Meschugge…? Dieses Photosynthese Dingsbums zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Wie soll ich das jetzt dem Leser meiner Geschichte vermitteln, das klingt ziemlich verworren und kompliziert. Ich kann dir einen Auszug der Autopsieprotokolle, äh Testbögen geben Meschugge. Darin steht…

Die Betroffenen (Probanden) klagten anfangs alle über die gleichen Symptome. Die da wären, vermehrte Ohrenschmalzproduktion, Gleichgewichtsstörungen und einen anhaltenden Tinnitus. Das seltsame an diesem Tinnitus ist, daß sich diese Ohrgeräusche nur mit dem Hören der dumpfesten, billigsten Schlager (Ballermann, Party und Après-Ski Hits) beizukommen ist. Irgendwann sind die Betroffenen so abgestumpft durch diesen Teufelskreis, daß das alltägliche Gedudel aus dem Radio eine Wohltat ist. Dieser Zustand hält aber nicht lange vor, irgendwann sind die Ohrgeräusche wieder da. Die HNO- Ärzte sind ratlos, es gibt keine Hoffnung auf Heilung. Viele Betroffenen ergeben sich ihrem Schicksal und besuchen nun regelmäßig Schlagerveranstaltungen und Volksfeste. Aber nicht weil es ihnen gefiele sondern weil der Tinnitus nicht zu ertragen ist. Die Dunkelziffer der Suizidalität ist hoch, weil viele diese ausweglose Situation nicht mehr ertragen können. Es kommt auch in vielen Fällen zur Selbstverstümmelung à-la  Vincent van Gogh. Reicht das als Erklärung?

Ja das ist gut verständlich. Das erklärt das Massenphänomen warum seichte Unterhaltung und Schlager so populär sind. Viele möchte bloß eine Linderung ihres Tinnitus und sind gar nicht an diesen Ausgeburten der Schlagerhölle interessiert. Das beruhigt mich.

Fortsetzung folgt bald.

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Schlagerdämonen und die 10 Plagen

„Hotte…?“ könntest du vielleicht noch ein Schlagwort einbauen, bei dem Linda H. automatisch in Hypnose fällt? Du meinst also, das mit den Tierbabys reicht noch nicht? Ich möchte bloß auf Nummer sicher gehen, das von ihr kein Unheil mehr ausgehen kann. Ich sehe da aber ein kleines Problem, sie wäre eine wandelnde Narkoleptikerin. Durch den überstrapazierten Gebrauch von Liebe, Herz, Regenbogen, Hölle und Himmel usw. wird es schwer ein Schlagwort zu finden, das speziell für sie zutrifft. Sie würde jedesmal in Hypnose fallen, wenn irgendein Wort fällt, das durch die Schlagerdiarrhoe im Umlauf ist. Oh daran hatte ich gar nicht gedacht. Ich kann es mir aber gut vorstellen, wie sie von einer Alptraumhypnose in die Nächste stolpert. Vielleicht könnten wir sie für unsere Mission einsetzen, als Doppelagent? Nein Meschugge sie steckt schon zu tief drinnen im Schlagersumpf. Das wäre völlig unproduktiv und sinnlos. Ich sagte schon wir haben ein ernsthaftes Schlagerproblem. Wir müssen viel größer denken, Linda H. ist bloß ein kleines Licht. Die Bevölkerung wird durch die Dauerberieslung in den geistige Umnachtung geschickt und stumpft ab. Musik wird nicht mehr als das wahrgenommen, was sie ist. Sie kann Emotionen, Gefühle, oder sogar eine wohlige Gänsehaut auslösen. Die Leute wissen zum Beispiel, das Kühe bei klassischer Musik mehr Milch geben. Aber sie geben sich mit Wegwerfmusik zufrieden.
Was im Radio läuft ist industrielle Gebrauchsmusik, langweilig, lieblos und vorhersehbar. Wir müssen jetzt so viele Schlageruntote und Trittbrettfahrer unschädlich machen wie es geht.
Oh das klingt ein wenig nach Kreuzzug gegen die ungläubigen Musikverweigerer. Wir werden nicht umhinkommen, die Erzengel Gabriel, Michael und Rafael einzusetzen. Ich kann dir Meschugge versprechen es wird nicht das Harmagedon, das irgendwelche religiöse Sekten propagieren. Klar wird es ein paar Kollateralschäden geben. Wir hätten da nämlich noch ein paar Rechnungen offen, mit diesen Populisten und Trittbrettfahrern, die mit christlichen Werten umgehen, wie Jongleure im Zirkus. Oh es wird also Politisch? Ja das wird es. Ich sag bloß die Retter des christlichen Abendlandes werden sich wundern. Wir lassen uns nicht weiter von ihnen für ihre Zwecke missbrauchen. Antisemitismus wäre gleich das nächste Thema. Jetzt aber zur Hauptaufgabe unserer Mission. Mal sehen was Linda so macht. „Holy shit…“ was ist jetzt schiefgegangen. Keiner verlässt die Seniorenresidenz! „Was ist passiert Hotte…?“ Linda grinst doch noch immer völlig debil. Sie hat aber Schaum vor dem Mund und ihre Augen sind so komisch verdreht. Die Schlagerdämonen haben ihren Wirt noch nicht aufgegeben. Wir müssen die Hypnose in einer neutralen Umgebung wiederholen. Hier besteht auch die Gefahr, das die Schlagerdämonen sich einen neuen Wirt suchen. So ungefähr war es damals mit den Amigos. Die zwei singenden Rentner (Amigos) saßen damals auch sabbernd und somnolent bei einer ähnlichen Veranstaltung. Dann wurden sie leider nicht vom heiligen Geist ergriffen, sondern von den ruhelos umherstreifenden Geistern von Rex Gildo und Roy Black. Wir wollen die Dämonen vertreiben und kein neues greises Schlagerduo kreieren. Lass uns Linda von hier fortbringen. Hotte ich habe eine bessere Idee. Durch meine langjährige Erfahrung im Rettungsdienst weiß ich, wie leicht es ist, jemanden für blöd zu verkaufen. Wir bringen Linda kurzfristig in der Psychiatrie unter. Wie willst du das anstellen Meschugge? Ich rufe jetzt einfach die 112 an und schildere Lindas Fall, dabei lasse ich ein paar Schlagwörter fallen, nicht ansprechbar, bewußtlos vermutlicher Krampfanfall usw. „Das funktioniert… Menschugge…?“ Klar funktioniert das. Es kommt darauf an wie gut man sich verkauft. Ich schaukle das schon. Sag mal Meschugge, willst du mir etwas sagen? Ich höre da so einen Unterton? Naja indirekt schon. In letzter Zeit häuft sich diese Hilflosigkeit im Rettungsdienst. Man ist schon froh, wenn man von 10 Einsätzen einmal einen kranken Menschen hat. Manchmal kann ich es nachvollziehen warum die Leute anrufen. Sie sind allein, einsam hören in sich hinein. Die Medien und die Apothekenrundschau tun ihr übriges. Ich komme mir manchmal wie ein Seelsorger oder Berater in allen Lebenslangen vor. Niemand hat das nötige Selbstvertrauen, alles muss immer abgeklärt, abgesichert und hinterfragt werden. Es ist wie mit der Politik in Deutschland. Immer wieder hört man, die da oben. Das klingt als ob wir in einer Diktatur leben würde. Wir leben aber Gottseidank in einer Demokratie. „Jetzt ist aber gut Meschugge“ weiter gehts. Übrigens deine Empfehlung mit dem russischen Telefonhypnotiseur war gar nicht schlecht. Ich habe ihn vorige Woche auf Helene F. angesetzt. Das Unheil konnte von Berlin abgehalten werden. Wow das war der Hypnotiseur, ich dachte sie hat die Grippe. Hmm ich kann nicht genau sagen was der Hypnotiseur Helene eingeflüstert hat, aber es gibt uns einen Zeitvorsprung. Sie ist aber wieder auf dem Weg der Besserung Hotte. Ja ich weiß und deswegen habe ich mit dem Chef gesprochen. Wir haben das Für und wieder der drei Erzengel besprochen. Gott hatte eine bessere nicht ganz so invasive Methode. Und die wäre? Du hast doch bestimmt schon einmal etwas von den 10 Plagen gehört? Äh die Plagen die es den Israeliten ermöglichte Ägypten zu verlassen? Ja genau die. Wir haben sie etwas verfeinert. Um ganz genau zu sein, die Stechmücken sind etwas gentechnisch manipuliert worden. Sie reagieren jetzt bloß auf einfältige Musik, lieblos zusammengeschusterte Texte und nur auf die Personen die diesen Schrott zum Vortrag bringen. Wir nennen es Schlagermalaria (Malaria confusione). Das klingt als ob Bayer und Monsanto ihre Hände im Spiel hätten. „Also Meschugge…!“ alles was von Gott kommt ist biologisch unbedenklich und kompostierbar.

Fortsetzung folgt…

Rock ’n‘ Roll, Drugs, Sex and Hypnosis.

Hotte hatte Linda H. kurz in einer Zeitschleife eingefroren um das Unheil noch abzuwenden. Wir waren etwas blauäugig in diese Situation geschlittert, ganz ohne Plan. So bin ich eigentlich immer, die Situation so lange eskalieren lassen, bis sich eine Lösung oder Ausweg bietet. Wir konnten auch nicht vor dem versammelten Publikum mit dem Exorzismus beginnen. Wie sieht das denn aus, wenn Linda schreit, tobt, den Kopf um 180 Grad dreht oder womöglich die Wände hochläuft. Ich dachte auch an die Kollateralschäden, wir waren ja in einer Seniorenresidenz. So ein aufregendes Programm am Nachmittag (Pflegeheim) würde mehrere Opfer fordern, die dann der Rettungsdienst versorgen müßte. Manchmal kann ich nicht aus meiner Haut.
Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße, polterte Hotte leise vor sich hin. Diese blöde Schlagertussie ist eine harte Nuss. Da war die Bekehrung des Franziskus von Assisi ein Kinderspiel. Franziskus hat wenigsten bloß gesungen, wenn er mit seiner Clique volltrunken durch Assisi gezogen ist. Lindas musikalischer Output ist sprichwörtlich zum Gotterbarmen. Wem sagst du das. Ich habe das Gefühl, die Schlageruntoten werden immer mehr, anstatt weniger. Wenn man durch Chemnitz fährt, wird man an jeder Ecke mit den Ausgeburten der Real existierenden Schlagerhölle konfrontiert. Überall hängen Plakate dieser angeblichen Künstler. Man könnte denken, Chemnitz ist eine Schlagerhochburg und ein Hort des schlechten Geschmacks. Dem ist aber nicht so. Während Hotte am Nachdenken ist, wie wir Linda H. das Handwerk legen können, erzähle ich kurz meine Geschichte, wie es zu meiner göttlichen Mission gekommen ist.
Ich bin 1970 geboren und in der Nähe von Karl-Marx-Stadt aufgewachsen. Mit Glauben und Gott hatte ich damals nichts zu tun. Ich war eigentlich unauffällig, so grau und langweilig wie die DDR eben war. Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Arbeit und nicht auffallen bis zum Ableben. Man hätte mir die Individualität beinahe komplett ausgetrieben, wenn nicht plötzlich 1989, die politische Wende gekommen wäre.
Obwohl, selbst nach dem politischen Umsturz, hatte ich es noch nicht ganz gerafft, was für Möglichkeiten offen stehen. Man war bemüht, seinen Platz in der neuen Gesellschaft zu finden, Arbeit, Partnerschaft und irgendwie nicht unter die Räder kommen. Irgendwann hat man dann festgestellt, das kann nicht alles sein. Okay, es kann auch die Midlifecrisis sein. Ich wollte plötzlich Individuell sein, ein wenig war ich es ja auch. Das kam aber irgendwie nicht so gut an, in der Partnerschaft und Bekanntenkreis. Sex and Drugs and Rock ’n‘ Roll, bei mir war die Reihenfolge etwas vertauscht. Ich wollte Anerkennung, Bestätigung und geliebt werden. Bei dieser ganzen Sinnsuche, bin ich sprichwörtlich über Leichen gegangen. Ich möchte jetzt nicht, mich als armes Opfer der Gesellschaft darstellen, oder auf Selbstmitleid machen. Jetzt weiß ich aber, was ich will. Materieller Wohlstand, z.B. Eigenheim, Auto, gemütliche Fernsehabende und altersgerechtes Benehmen, möchte ich nicht. Ich möchte leben und erleben. Vielleicht habe ich noch maximal 30-40 Jahre zu leben, diese Jahre möchte ich aber intensiv nutzen. Das Leben kann ziemlich schnell und plötzlich vorbei sein, das weiß ich aus beruflicher Erfahrung. Ich will mich nicht zu Tode ärgern, über die verpassten Chancen, wenn ich plötzlich einmal vor meinen Schöpfer stehe. Hier schließt sich der Kreis, meine göttliche fiktive Mission war unterbewußt als Therapie gedacht. Sie hat sich irgendwie verselbstständigt. Mir gefällt es, Realität und Fiktion zu vermischen, auch wenn mein Satzbau, Grammatik und Erzählweise manchmal etwas holprig ist.
Oh, jetzt bin ich ziemlich vom Thema abgekommen. Hotte…H O T T E alles okay?
Wie war das nochmal im Mittelteil mit der umgedrehten Reihenfolge bei Sex and Drugs and Rock ’n‘ Roll, Meschugge? Ich habe eine Lösung, für das Problem Linda H. und nebenbei habe ich deinem Selbstmitleid zugehört. Danke für deine Anteilnahme Hotte, Zwinkersmiley. Heul hier nicht rum, du bist auf dem richtigen Weg, Meschugge. Wir haben hier ein ernsthaftes Schlagerproblem und du machst hier einen auf Nabelschau. Ich musste es einmal loswerden. Was ist deine Erlösung für Linda H? Ich dachte an Hypnose. Wir suggerieren Linda, sie würde mit ihren künstlerischen Unvermögen, das existentielle Böse über die Menschheit bringen, indem sie singt. Hä, das macht sie doch täglich? Ja, sie weiß es aber nicht besser. Mit der Hypnose, führen wir es ihr vor Augen. Mit jedem von ihr vorgetragenen Titel, wird die Welt schlechter und dümmer. Ich hätte eine bessere, perfidere Idee. Sie ist ja so schön kitschig. Mit jedem von ihr vorgetragenen Titel, stirbt ein süßes Tierbaby. Man, man Meschugge, so viel kriminelle Energie hätte ich dir jetzt nicht zugetraut. Deine Idee ist aber gut, manchmal heiligt der Zweck die Mittel, um eine Pandemie, der Schlageruntoten im Keim zu ersticken. Ich habe einen kasachischen Bekannten und ehemaligen Kollegen. Der kennt wiederum einen russischen Hypnotiseur, der die Hypnose sogar telefonisch erledigen könnte. Hmm, das würde ein sprichwörtliches babylonisches Sprachengewirr werden. Ich glaube, wir bekommen, das selbst hin, ich bin ja vom Fach. Es war ja bloß so eine Idee von mir. Ich zweifle nicht an deinen Fähigkeiten Hotte! Okay, dann mal los. Zuerst muss ich Linda aus der Zeitschleife holen und sie in einen Tranceartigen Zustand versetzen. Ich lasse schon einmal meine Playlist „Schlagerexorzist“ laufen. So Linda, ich schicke Ihren bewussten Verstand auf die Reise, z. B. an einen Ort, an den Sie schöne Erinnerungen haben, dort wo Sie sich wohl gefühlt haben. Zum Beispiel, bei ihrer Oma auf dem Bauernhof. Ich lasse Sie möglichst viel von diesem Ort erzählen und bitte Sie, mir diesen Ort, wo auch immer er sein mag, möglichst genau zu beschreiben. Da der bewusste Teil Ihres Verstandes sich nun wohl fühlt, traut er sich eher dort hin zu sehen, wo das Problem liegt. Das ist nämlich ihr künstlerisches Unvermögen, mit dem sie ihre Mitmenschen quälen und direkt in die Verdammnis der Schlagerhölle führen. Stellen sie sich bitte die  süßen Tierbabys auf dem Bauernhof vor, z. B. so wie auf den Titelseiten der Zeitschriften, der Zeugen Jehovas. Sie mögen doch Kitsch und Klischees? Ich möchte, dass sie sich jetzt nur auf meine Stimme und auf ihre Atmung konzentrieren. Atmen sie tief ein und aus. Ihr Unterbewusstsein öffnet sich ganz weit und nimmt alles auf, was ich ihnen sage. Meine Worte dringen ganz tief in ihr Unterbewusstsein ein und werden dort fest verankert. Jetzt kommen wir zu ihrem Problem, sie sind weder musikalisch, noch künstlerisch begabt, das müssen sie sich eingestehen. Sie hätten nie, das Dorf verlassen sollen, aus dem sie gekommen sind. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, das jedesmal, wenn sie versuchen zu singen, ein niedliches Tierbaby stirbt, auf dem Bauernhof ihrer Großmutter. Wollen sie das wirklich? Ich zähle langsam von 5 bis 1 und mit jeder Zahl, die ich sage, werden sie mehr und mehr aus ihrem tiefen Entspannungszustand zurückkehren.

Fortsetzung folgt…

Vorab-Hilfe im Rettungsdienst (Notfallsanitäter als Gemeindeschwester mit besonderen Befugnissen).

Auf Grund des Anstiegs, der Einsatzzahlen im Rettungsdienst, ist es erforderlich umzudenken. Es ist statistisch erwiesen, das ca. 80% der Einsätze keine Notfälle sind. Das jetzige System wird irgendwann an seine Grenzen stoßen, oder ist es schon. Man kann nicht zu jeder unklaren Lagemeldung einen Notarzt schicken. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das 1 Einsatz von ca. 10 ein wirklicher Notfall ist, der einen Notarzt vor Ort erfordert. Die restlichen statistischen 9 Einsätze sind meistens allgemeine Hilflosigkeit. Die da wären, Hypertonie (messen bis der Zielwert erreicht ist), die neue Apotheken Umschau, Kreislaufdysregulation, schlechter Allgemeinzustand, fieberhafter Infekt, Alkoholintoxikation, Hausarzt hat Urlaub und der Klassiker, ich habe kein Auto um ins Krankenhaus zu kommen. Der Rettungsdienst versucht gegenzusteuern, indem sukzessiv die Anzahl der Rettungswagen erhöht wird. Meine Meinung nach, ist das der falsche Weg. Der schöne Vergleich, wo Quantität mit Qualität verwechselt wird drängt sich auf, oder besser gesagt, mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Durch die Zunahme des Anspruchsdenkens und der Vollkaskomentalität in der Bevölkerung, wird der Rettungsdienst zum Transportgehilfe degradiert. Der Rettungsdienst in Deutschland ist hoch effizient und kann viel mehr, als vermeintliche Patienten zum durchchecken ins Krankenhaus zu fahren.
Die Notaufnahmen der Krankenhäuser platzen so schon aus allen Nähten, durch die Patienten die zu Fuß kommen, um sich durchchecken zu lassen.
Dem könnte man entgegensteuern, in dem man die bestehenden Ressourcen nutzt. Mein Vorschlag wäre, ein Einsatzfahrzeug ähnlich dem Notarztfahrzeug mit einem Notfallsanitäter zu besetzen. Dieses würde dann bei unklaren Notfällen eingesetzt werden, die ich oben schon einmal erwähnt habe. Vor Ort könnte der Notfallsanitäter dann entscheiden (natürlich nach Rücksprache mit dem Hausarzt), ob der vermeintliche Patient einer sofortigen Behandlung im Krankenhaus bedarf. Falls es einmal zu einer lebensbedrohlichen Situation des Patienten vor Ort kommen sollte, kann der Notfallsanitäter durch seine Regelkompetenz einschreiten und handeln, bis der Notarzt oder Rettungsdienst eintrifft. Ich weiß auch, das es bestimmt einen Aufschrei geben wird, das ich anmaßend bin und meine Kompetenzen überschreite. Damit kann ich lebe, denn ich liebe meinen Job und bin kein Krankenträger oder Krankenwagenfahrer. Der Rettungsdienst wird gebraucht, das steht außer Frage. Ich möchte auch mit dem Artikel nicht am eigenen Ast sägen, denn ich lebe ja davon. Mein Problem ist, das der Rettungsdienst sich mit Bagatellen beschäftigen muss, während andere Notfälle auf Rettung hoffen.

Es ist ein Kreuz mit dem roten Kreuz (Freiberg)

Meistens bin ich wirklich sehr geduldig, mich bringt nichts gleich aus der Ruhe.
Es sei denn Ungerechtigkeit. Der Rechtsstreit mit dem DRK-Freiberg scheint noch nicht zu Ende. Wie lange hält sich diese Unmenschlichkeit noch?
Meine letzter Blogeintrag zu diesem Thema war ziemlich emotionslos, ich hatte mich im Griff. Während ich das schreibe kochen die Emotionen, ich werde trotzdem versuchen sachlich zu bleiben. Die Anwältin des DRK legte eine unerträgliche Penetranz an den Tag, wenn es um das Eintreiben von Vertragsstrafen geht. Ich habe die geforderte Vertragsstrafe zwei Tage zu spät gezahlt, okay das ist mein Problem.
Ich bin mit dem 31.12.2016 aus dem DRK-Freiberg ausgeschieden, meinen Überstunden die sich 2016 angehäuft haben und den Zuschlägen vom Dezember bin ich auch hinterhergelaufen. Auf telefonische Nachfrage in der Lohnbuchhaltung, wurde mir mitgeteilt, das auf Anweisung des Geschäftsführers meine Überstunden und Zuschläge einbehalten werden. Erst auf Drohung mit gerichtlicher Auseinandersetzung wurden sie ausgezahlt.
Ich habe im Februar 2016 eine Nachzahlung erhalten, ob die Summe stimmt, lässt sich nicht nachvollziehen. Es gab kein monatliches Stundenkonto oder einen anderen Nachweis. Auch kam es öfters vor, das genehmigter Urlaub ausgezahlt werden musste, weil akute Personalknappheit bestand, oder immer noch besteht.
Da ich schon 1996 beim DRK-Freiberg angefangen habe gehörte ich zu den privilegierten Mitarbeitern mit einem Verdi Tarifvertrag. Der Tarifvertrag wurde irgendwann 1999 eingefroren. Alle Mitarbeiter, die danach kamen, wurden in die Arbeitgeber freundliche Phantomgewerkschaft DHV eingegliedert. Das bedeutete 300-400 Euro Lohnunterschied, kein Weihnachtsgeld oder sonstigen Zulagen die im Verdi-Tarif üblich waren. Die Arbeit war aber für alle gleich, nur eben die Bezahlung unterschiedlich. Die Arbeitszeiten hatte ich ja schon einmal erwähnt. Es war eben keine Seltenheit ca. 200-240 h im Monat im Dienst zu sein. Es gab sogar ein Dienstplanprogramm, aber bei gefühlt 10-15 Mitarbeitern zu wenig, ist es eben bloß Makulatur. Der Rettungsdienstbereich bestand aus 7 Rettungswachen mit völlig wirren Dienstzeiten. Ich habe es zum Glück nie verschlafen oder verpasst. Wenn man viel Glück hatte, war man fünf Tage für eine Rettungswache eingeteilt. Es kam aber vor, das man springen musste, heute hier morgen da. Von Menschlichkeit war nicht viel zu spüren, obwohl es der erste Grundsatz des DRK ist. Man fühlte sich wie Kanonenfutter, Hauptsache die Dienste waren besetzt, der Rest war egal. Viele Kollegen waren schon länger in Rente, aber genauso häufig da, als ob sie vollerwerbstätig wären.
Sehr häufig kam es vor, das auszubildende Praktikanten (Rettungsassistenten) als zweiter Mann auf dem RTW eingesetzt wurden. Es gab sogar noch Steigerungen. Auszubildende Rettungsassistenten ohne Führerschein wurden als zweiter Mann eingesetzt. Ich erzähle hier nicht etwas nach, ich habe es erlebt. Wenn man sich weigerte, diese Praxis beizubehalten, wurde gesagt, für das DRK-Freiberg gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Auf meine Kritik (telefonisch) beim Geschäftsführer wurde mir gesagt, die Praktikanten möchten eben etwas erleben. Das macht einen sprachlos. Lernen und Erleben auf Kosten der Gesundheit der Patienten. Es wurde und wird weiterhin auf Verschleiß gefahren. Ich habe für mich im Juni 2016 persönlich die Reißleine gezogen. Eine interne Stellenausschreibung der Berufsfeuerwehr Chemnitz war vielversprechend. Also habe ich mich beworben. Meine Kündigungsfrist war 6 Monate zum Ende des Quartals. Ich wollte es im Guten versuchen, aus der Tretmühle auszubrechen. Zweimal umsonst, das DRK-Freiberg wird nach Gutsherrenart geführt. Ein absolutistischer Herrscher (im früheren Beruf, Sprechstundenhilfe und Bademeister) ist der Geschäftsführer. Ich habe dann zum 31.12.16 gekündigt, weder fristgerecht noch fristgemäß. In der Kündigung habe ich um ein Gespräch gebeten um meine Gründe für die Kündigung zu benennen. Es kam nie dazu. Von Juli bis Mitte Dezember war es dann ruhig um meine Kündigung. Mir war es dann etwas unheimlich und ich habe das Gespräch über den Umweg der Rettungswachenleiterin gesucht. Die Reaktion kam prompt, ich bekam einen Brief vom Geschäftsführer, in dem drohte, beleidigte und bettelte er gleichzeitig. Das DRK-Freiberg hatte 6 Monate Zeit gehabt, einen adäquaten Ersatz für mich zu finden. Nichts ist passiert. Unangenehme Mitarbeiter (die für ihre Rechte kämpfen) werden im Dienst von Rettungsdienstleiter und Geschäftsführer besucht. Ihnen wird mit unlauteren Mitteln, (Krankheitstage, Minusstunden) nahegelegt einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Mir ist es auch völlig klar, das sich das DRK-Freiberg den Marktanforderungen stellen muss, aber nicht indem es seine 7 Grundsätze über Bord wirft. In anderen Landkreisen ist ja auch möglich für die Arbeitnehmer eine Tarifvertrag mit Verdi auszuhandeln. Die politischen Verflechtungen des DRK im Vorstand, wo sich Berufspolitiker und Manager Wohlstand zufächeln ist mit den Grundsätzen nicht vereinbar. Das DRK-Freiberg ist ein eingetragener Verein, es ist aber ein Wirtschaftsunternehmen, mehr nicht! Es gibt wirklich viele Ehrenamtliche Mitglieder, die im verborgenen arbeiten und den ehemaligen guten Ruf des DRK fördern. Ich möchte ihre Arbeit nicht verunglimpfen, sie sind für die Basisarbeit sehr wichtig unerlässlichEin Glück, das Henry Dunant das nicht mehr erleben muss.

Der Schlagerexorzist auf Dienstreise.

Das Letzte was ich noch weiß, ich wurde wach und sah ein gleißendes Licht. Ungefähr so, wie in der Außenrettungswache in Flöha. Dort lagen die Ruheräume im Keller. Eines Nachts wurde ich auch wach von einem gleißenden Licht. Es waren zum Glück keine Außerirdischen, sondern ein Auto, was mit Fernlicht vor dem Ruheraum in 10 Zügen wendete. Zurück zu meiner Mission. Nach dem Licht, verbrachte ich eine Ewigkeit in der Dunkelheit. Anscheinend haben auch Verkündungsengel begrenzte Höchstgeschwindigkeiten, denn nach Berlin brauche ich privat höchstens 3 Stunden. Mir war klar, das Hotte mich zur ersten Mission abgeholt hat. Okay, es hätte auch ein Ufo sein können, was meine etwas seltsamen Nachbarn zur medizinischen Untersuchung abholt. Spaß beiseite, Hotte und ich waren unterwegs nach Berlin. In meiner Phantasie ging ich alle möglichen Szenerien durch, was ich erleben würde. Es gibt auf den privaten Sendern Reality Serien, so ungefähr stellte ich es mir vor. Das Leben ist eine große Wohngemeinschaft, alle haben Probleme, die keine sind, Fitnesscenter, dummes Gelaber den ganzen Tag und keiner geht wirklich ernsthaft arbeiten. Das ist ungefähr so unterhaltsam, wie den Amöben bei der Zellteilung zuzusehen. Es wurde langsam hell, wir waren also bei Linda angekommenen. Hotte hatte nicht zu viel versprochen. Es war eine 3 Zimmer Altbauwohnung. So wie sie keine Ahnung von Musik hat, ist auch die  Inneneinrichtung. Über Geschmack lässt sich wunderbar streiten, wenn man den besitzt. Sie war gerade dabei, sich im Bad aufzubrezeln. Hotte und ich sahen uns in Ruhe in ihrer Wohnung um. Mich interessierte ihre Musiksammlung. Es gab zu meinem Entsetzen keine CD´s, Schallplatten oder sonstige Tonträger. Okay, an der Wand hing eine „goldene“ Schallplatte. Die könnte aber auch vom Flohmarkt sein. Auf dem vollgestellten Couchtisch lag ihr Smartphone und dort lag auch eine Bluetoothbox. Sie wird doch nicht bloß damit Musik konsumieren? Hotte hatte sich bei diesem Anblick kurz bekreuzigt und sagte, um Gotteswillen dieses arme Seele. Das Entsperren des Smartphones war nicht schwer, Geburtstagsdaten gehen immer. Hmm, zumindest hatte sie Spotify, aber was ich dann sah, lies mich erschaudern. Hotte legte mir seinen Arm um die Schulter und sagte, hast du wirklich geglaubt, das sie Musik liebt oder geschweige denn hört? Aber, aber sie gibt doch vor Musik zu machen. Ich dachte, sie macht Schlager bloß wegen dem Geld und hört heimlich Jazz oder Deathmetal. Nichts, aber auch gar nichts, was annähernd an Musik erinnert ist auf dem Startphone. Sie hört ihre eigenen Lieder an und die der anderen Schlageruntoten. In diesem Moment wurde es mir klar, auf was für eine Mission ich mich eingelassen hatte. Mir fielen Jesus Worte ein, „Wieso hast du mich verlassen“… Ich fühlte plötzlich diese alte Unsicherheit in mir, bin ich dieser Aufgabe wirklich gewachsen. Auf der einen Seite bin ich eine musikalisch gefestigte Persönlichkeit, auf der anderen Seite war die Überlegung, wieviel habe ich wirklich schon gerettet. Alle fanden meine musikalischen Vorschläge ja ganz nett, aber reicht das wirklich? In Lindas musikalischer Früherziehung, muss aber irgendwas völlig schiefgelaufen sein. Mir fiel sofort Guantanamo ein, Musik als Folter. Sie muss einer Hirnwäsche unterzogen worden sein. Vielleicht wird sie immer noch fremdbestimmt? Es kann nicht anders sein! Sie wird manipuliert. Vielleicht ist sie noch zu retten. Meine schlimmster Alptraum wäre, das sie so etwas wie ein Vampir ist. Vielleicht ist sie irgendwann, in ihrer Jugend, während einer Guantanamositzung von einem Schlageruntoten gebissen worden. Gott bewahre, ich bin nicht Van Helsing. Ich wüßte auch nicht, ob Kruzifixe und Knoblauch bei Schlageruntoten helfen. Wenn es wirklich so ist, ist sie verloren und woher bekommt man auf die Schnelle einen Eichenpflock um diesem Treiben ein Ende zu bereiten. In diesem Moment kam sie aus dem Bad, ich erschreckte mich ganz schön. Ich fühlte mich ertappt wie ein Einbrecher. Hotte beruhigte mich, er sagte, sie kann uns nicht sehen, geschweige denn unsere Anwesenheit spüren. Trotzdem kam ich mir wie ein Spanner vor. Was ist, wenn sie in der Nase bohrt, oder sich am Hintern kratzt. Sie suchte ihre Smartphone, mein Gott, ich hatte es noch in der Hand. Linda ging nochmal ins Bad um ihr Startphone zu suchen. Das gab mir die Zeit, es diskret auf den Couchtisch zu legen. Wir hatten zum Glück alles kopiert und vollen Zugriff auf alle ihre Accounts. Das wird eine Heidenarbeit, ehe wir uns durch den ganzen belanglosen Kram gekämpft haben. Ein bisschen kam es mir wie Geheimdienstarbeit vor. Jetzt war sie auf dem Weg zu einem Auftritt, vielleicht hat ja ein neues Auto oder Möbelhaus eröffnet. Zu mehr ist sie ja auch nicht zu gebrauchen. Hotte und ich konnte uns ungestört an die Bearbeitung ihres neuen Lebens machen. Wir mussten vorsichtig und langsam vorgehen, eine plötzliche 180 Grad Drehung würde bloß die anderen Schlagerzombies auf den Plan rufen. Zuerst installierte ich meine Schlagerexorzistenplaylist auf ihrem Smartphone. Damit sie jedesmal, wenn sie ihre unsägliche Kakophonie an Schlager abspielen möchte, meine empfohlene Musik hört. Sie sollte langsam weichgekocht werden. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagte Horst. Er kümmerte sich inzwischen um ihren Facebook und Instagram Account, er likte wild drauflos, finnische Deathmetalbands, libanesische Singer/Songwriter, deutsche Punkrockbands usw. Wir mussten uns sputen um ihr zu folgen. Sie hatte einen Auftritt in einem betreuten Wohnen. Hmm, sie hilft ihre Oma gern, sagte Hotte, das steht zumindest in ihrer geschönten Vita. Mit dem Auftritt im betreuten Wohnen, verstieß sie gegen die Genfer Konventionen, also gegen das humanitäre Völkerecht. Die Bewohner der Einrichtung konnten ja nicht flüchten und waren eine Stunde dieser Schlagerhölle ausgesetzt. Das ist definitiv Folter. Wer sagt denn, das Rentner alle fürchterlichen Schlager mögen. Sie zog die Show gelangweilt durch, mit Dauergrinsen, weil sie wußte, das sie wieder ein paar verlorene Seelen auf die Seite, des personifizierten Bösen gezogen hatte. Während ihrer Darbietung schüttelte sie viele Hände und ließ sich mit wehrlosen Rentnern fotografieren. Hotte sagte, wir müssen sie stoppen, denn sie breitet sich schneller aus, als das Norovirus auf einer Kreuzfahrt oder im Pflegeheim. Wenn wir nicht einschreiten, haben wir innerhalb kurzer Zeit Tausende Schlagerinfizierte. Wir mussten dem Unheil Einhalt gebieten.

 

Fortsetzung folgt…

Der Exorzismus der Linda H. in Ermanglung anderer Kandidaten.

Hiob 33,14-17
Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager: 16 dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt, 17 um den Menschen von seinem Tun abzuwenden
Der Chef hat mir diesen Auszug, aus dem Buch Hiob mit auf den Weg gegeben, als grobe Handlungsanweisung. Er hat uns aber freie Hand gelassen, bei der Umsetzung. Man sollte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir wollen, sie ja von ihrem Tun abhalten und zur Umkehr bekehren. Es wird niemand ernsthaft zu Schaden kommen, das habe ich dem Chef versprochen.

Ich werde mein Bestes geben und keine Extratouren unternehmen, versprochen.

Das soll ich jetzt glauben?

Das wirst du hypothetisch wohl müssen.

Lass bitte diese Spitzfindigkeiten.

War bloß ein Scherz. Ich stehe voll und ganz hinter unserer Mission.

Okay, jetzt zu den Details. Ich habe mich über Ross Antony erkundigt. Es ist nicht so einfach, wie wir gedacht haben. Der Brexit macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Briten haben mit ihm noch eine Rechnung offen. Er war nämlich im Auftrag des britischen Empires unterwegs und sollte mit seinem Untalent, die deutsche Unterhaltungsindustrie unterwandern. Die Briten vermuten in ihm einen Doppelagenten.

Oh, er wurde vom „german bad taste“ umgedreht?!

Ja und deswegen ist der MI6 schon an ihm dran. Wir sollten uns an nationale Schlagerzombies halten meinte der Chef. Hast du eine andere Zielperson parat? Vielleicht eine einfachstrukturierte Schlagerprinzessin?

Hmm, so spontan fällt mir da, Linda H. ein. Ein netter Ex-Kollege ist ein großer Fan von ihr. Ich wollte ihn auf den rechten Weg bringen, aber er steckt schon zu sehr im Schlagersumpf drin.

Das klingt ja furchtbar, ich weiß wen du meinst. Er ist ja noch so jung und schon verloren.

Ich hoffe, er findet irgendwann zurück auf den rechten Weg.

Wir werden für ihn beten.

Jetzt mal zu Linda H. Was meinst du Hotte?

Moment ich ziehe mir gerade ihre Vita. Mein Gott, der Lebenslauf liest sich, wie von einer mittelmäßigen Werbeagentur zusammengeschustert. Man täuscht Bodenständigkeit vor, ist volksnah, versteht was die Leute möchten, ein bisschen soziales Engagement, hilft der Oma und hat Sonne im Herzen. Es ist einfach zum Gotterbarmen. Es ist so eine billige Schmierenkomödie, so schlecht, das es schon fast als Satire durchgeht.

Was meinst du nun?

Jaa, sie ist ideal.

Wie wollen wir vorgehen? Tiefensuggestion, live Hack, Viren oder Trojaner?

Nichts davon, wir werden die Dimensionslöcher nutzen, die Prof. Dr. Abdul Nachtigaller (alias Walter Moers) in seinem Lexikon über Zamonien beschrieben hat.

Und wie finden wir so ein passendes Dimensionsloch? Nicht das wir aus Versehen, bei irgendeiner abgelegten DSDS Eintagsfliege, in einem vollgestellten Traum mit unerfüllten Wünschen rauskommen.

Nein, wir werden das Dimensionsloch verwenden, aus dem das Unheil gekrochen ist. Es liegt zur Zeit in Berlin. Also dort wohnt sie jetzt.

Ich mag Berlin sehr, es ist die Stadt der Gegensätze, Weltoffenheit und der liebenswerten Verrückten. Sie versucht sozusagen, ihr bedeutungsloses Leben mit Berlin aufzuwerten. Klar, mit Halberstadt ist man immer etwas hinter dem Mond.

Okay, also haben wir jetzt unsere Zielperson und können loslegen. Mach dich bitte auf  das Schlimmste gefasst Meschugge. Was wir sehen und erleben werden, würde Normalsterblichen, die Haare zu Berge stehen lassen.

Keine Angst, über 20 Jahre Rettungsdienst härten wirklich ab. Ich sage es mal so, nichts menschliches ist mir fremd.

Wir werden sie einen Tag begleiten und das was sie mit uns Inkognito erlebt, wird sie Abends mit unserer Hilfe verarbeiten.

Wie sieht es mit der Anreise aus, muss ich selbst nach Berlin zu dem Dimensionsloch fahren? Gibt es vielleicht einen Dienstreiseauftrag?

Nichts dergleichen, ich hatte doch schon erwähnt, wir transformieren dich ans Ziel. Um genau zu sein, transformieren wir dich in das Unterbewusstsein der Zielperson.

Da kann nichts schiefgehen?

Nein, das kann es nicht. Wir gehen zusammen in die geschönte Hochglanzschlagerhölle. Du kannst dir ja schon einmal ein Bild machen, sie hat auch einen Instagramaccount.

Ich habe mir ihren Account schon angesehen. Das übliche oberflächige Leben halt, Latte Macchiato Wohlfühlbilder, Fitnesscenter, Haustiere, ein paar Sex sells Fotos. Dann gibt es noch ein paar Fotos mit abgehalfterten Schlagerzombies. Bei letzteren, könnte man denken, die Fotos sind bei Madam Tussaud aufgenommen, einfach bloß gruselig, diese Untoten.

Was soll ich sagen, ich habe es mir schon mal kurz angetan. Es ist nicht so, wie sie sich auf Instagram präsentiert. Du hast in deinem Job, bestimmt schon ähnliche Bruchbuden auf dem Sonnenberg in Chemnitz gesehen.

Ich dachte es mir schon. Jung und talentlos eben. In der Wohnung liegt die Wäsche über Ikeamöbel verstreut, auf dem Boden ist ein undefinierbare, klebrige Flüssigkeit verteil. Wo man nicht weiß, war das Haustier undicht, oder? An der Wand ist bestimmt ein Wandtatoo „Carpe diem“, auf und unter dem Sofa leere angegammelte Pizzapackungen. Den 40-50inch LCD-Fernseher und den pinken Dekokram habe ich noch vergessen.

Es ist noch viel schlimmer, als du dir ausmalen kannst. Ungeschminkt, Jogginghose und eine angeranzte Bude, die auf Lifestyle macht, aber nach Hartz IV aussieht. Schein und Sein eben. Sie bräuchte definitiv einen Einrichtungsberater. Die Werbeagentur kümmert sich eben bloß um den öffentlichen Auftritt. 

Wann geht es nun los?

Ich werde dich am Freitag abholen, äh heimsuchen.

Brauche ich Wechselwäsche, Duschbad oder eine Zahnbürste?

Nein, es zirkuliert.

Ich bin schon so aufgeregt, endlich geht es los. Ich habe übrigens schon einmal eine Playlist auf Spotify zusammengestellt, für unser Radio Chuzpe.FM. Du kannst es dir ja einmal anhören und absegnen.

Du hast meinen Segen, also bis Freitag. Ich muss jetzt dienstlich nach Berlin. Der Chef meint, man müsste etwas unternehmen, gegen diese Empörungsindustrie. Die nicht bloß israelische Flaggen verbrennen, sondern auch ihren Verstand.

Fortsetzung folgt…

 

 

Der schlechte Geschmack im Alptraumnebel versinkt, die Seele in den Himmel springt.

Piratensender…? ging es mir durch den Kopf. Wie hatte sich das Hotte vorgestellt? Er war zwar auf dem neuesten Stand der Zeit und Technik, aber hatte er auch Ahnung von Marketing? Sollte es altmodisch über UKW, DAB oder Internet laufen? Wie bekommen wir die von den Massenmedien weichgespülten und für dumm verkauften Hörer zum Einschalten des Senders. Man müsste irgendwie Werbung machen, die an das Bewusstsein der Leute appelliert. Zum Beispiel, wie Johann Tetzel „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“. Klar bekommt man heute mit solchen Sprüchen niemand mehr hinter dem Radio, Computer oder Fernseher hervor. Man bräuchte etwas mit Verschwörung, das würde bestimmt funktionieren. Das wäre ja auch gar nicht so weit hergeholt. Was wäre, wenn wir von Außerirdischen fremdbestimmt werden. Die Aliens haben die Medienmacht übernommen und versuchen durch ständige Berieselung mit Trivialunterhaltung, die Macht in Sachsen zu übernehmen. Obwohl das wäre ja keine besondere Neuigkeit. Die Frage ist bloß, wer sind die Aliens und was wollen sie genau. Sie haben doch schon alles erreicht. Eins ist auf jeden Fall klar, die Verschwörung darf nicht in die Rassisten, Nazi und andere religiöse Spinner/Hetzerecke gedrängt werden. Sie muss eigenständig und etwas völlig Neues sein. Ob ich vielleicht auch mit Superkräften ausgestattet würde? So eine Art hypnotische Fähigkeit, wenn ich versuche eine renitente, verlorene Seele für die Gute Saat zu gewinnen. Hmm, wenn ich es mal richtig bedenke, ich bin ja sterblich. Selbst Jesus war zu Lebzeiten nicht vor Widrigkeiten gefeit. Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen, waren seine letzten Worte. Im Grunde kann ich mir die Frage nach Superkräften sparen und habe sie mir gleich selbst beantwortet.
Es gibt ja auch einen Werbespruch für Sachsen, „So geht sächsisch“. Was möchte der Initiator damit sagen? Wenn man diese Seite ansteuert sind die Hauptthemen, Wirtschaft, Tourismus und dann kommt irgendwann Kultur, die sich auf die größeren Zentren konzertiert. Einer der Kulturspots des Monats ist das Lügenmuseum in Radebeul, sehr bezeichnend. Immer noch besser als Sachsen-Anhalt, die mit dem Slogan „Land der Frühaufsteher“ geworben haben. Da bleibe ich doch lieber gleich liegen. Keine Ahnung was so eine Kampagne kostet, aber es ist nichts-sagend. Ungefähr so wie auf Facebook, wo man sich gegenseitig ein Hochglanzleben vortäuscht. Ich habe auch keine Patentlösung parat und bin manchmal auch ziemlich ziellos. Man kann aber nicht die Augen davor verschließen, das etwas faul ist im Freistaat Sachsen. Diese Selbstverliebtheit und Lokalpatriotismus geht mir Persönlich ziemlich auf die Nerven. Es erweckt den Eindruck, man muss eine Lüge nur so oft wiederholen, bis man selbst davon überzeugt ist. Jetzt bin ich wieder abgeschweift von meiner Mission. Ich sollte mich ja um die Bekehrung der ungläubigen Musikhörer kümmern. Mir schweben auch schon ein paar Ideen zur Programmgestaltung vor. Man könnte mit Hotte zusammen die einschlägigen Verdächtigen heimsuchen, so ab und zu. Ich kann es mir gut vorstellen, wenn wir zusammen durch einen Alptraum von Florian Silbereisen oder anderen abgehalfterten Showgrößen geistern. Schlagerinquisition on Tour so ungefähr. Das ganze könnte man ja auch erweitern. Der Weihnachtsmann schafft es ja auch in einer Nacht alle heimzusuchen.

Bewahrt einen klaren Kopf, seid wachsam! Euer Feind, der Teufel, streift wie ein brüllender Löwe umher und sucht jemanden, den er verschlingen kann!

Oh, da konnte jemand Gedanken lesen, Grüß Gott Saint Horst!

Hallo Meschugge, ich wollte bloß Schlimmeres verhindern, wenn du dich deinen Tagträumen und Gedanken hingibst. Der Gedanke mit den Alpträumen ist aber wirklich genial. Deine Überlegungen sind nicht von der Hand zu weisen. Man kann den Leuten nicht mehr mit solchen überholten Sachen, wie der Hölle und ewiger Verdammnis drohen. Appelle an das Gewissen funktionieren auch nicht. Alle verdrängen, das sie für ihr Verhalten einmal gerade stehen müssen. Der Tod ist auch nicht mehr existent im Leben.

Selbst mit Werbung für die Gute Saat werden wir nicht alle erreichen. Wenn wir aber die Träume der Leute kontrollieren, äh beeinflussen können, wäre es schon toll. Klar werden wir bei manchen selbsternannten Entertainer öfters vorbeischauen müssen, ehe sie geläutert sind.

Was hast du vor, du machst mir etwas Angst Meschugge. Irgendwie ist es wie bei den Geistern die ich rief…

Du musst keine Angst haben, ich bin nicht größenwahnsinnig.
Gottseidank, hast du schon konkrete Vorstellungen, wie das alles ablaufen soll?

Naja, irgendwie wüßte ich in die Träume der betreffenden Personen kommen. Dafür bräuchte ich deine Hilfe.

Meine Unterstützung hast du, ich müßte aber nochmal mit dem Chef sprechen, wie das rechtlich handhabbar ist und wie weit wir gehen können. Der Wandel muss aber langsam vollzogen werden. Nicht auszudenken, das dieser dauergrinsende Florian Silbereisen plötzlich über sein Leben nachdenkt und alles in Frage stellt. Das ist zuviel des Guten und wir hätten unser Medium verloren. Wir könnten seinen Einfuss nämlich ausnutzen und Millionen für die Gute Sache gewinnen.

Genial, soweit habe ich gar nicht gedacht. Wir lassen ihn die Drecksarbeit machen.

Drecksarbeit…? Ich weiß, du meinst es nicht so. Es wird nicht leicht werden.

Das mit der Drecksarbeit war auch nicht so gemeint. Mir graut es bloß davor, jede Nacht in irgendwelchen Träumen unterwegs zu sein und dort auf andere Untote der Unterhaltungsindustrie zu stoßen. Die meisten Konsumenten der seichten Unterhaltung haben nämlich eine Schlager/Pop Mischintoxikation. Ich habe sofort wieder Bilder im Kopf.

Ich weiß, du kannst dein Grinsen nicht verbergen. Lass mich bitte teilhaben.

Ich sehe mich gerade in einem Traum (männlich), wo sich unser Proband Andrea Berg, oder Helene Fischer vorstellt, ich lasse die Details aus. Die zwei Heulbojen singen zum Glück nicht. Also ich tauch plötzlich unvermittelt als einer der zwei Untoten der Amigos auf und möchte meinen Exorzismus beginnen…

Halt, Halt das geht etwas zu weit. Der Chef hat übrigens sein Okay gegeben, aber wir sollen es bitte nicht übertreiben. Mir ist zwar klar, das wir viel abwegiges und schauerliches sehen werden, aber wir werden als Saint Horst und Apostel Meschugge auftreten.

Hast du gerade Apostel gesagt…?

Ach das hatte ich ganz vergessen, dem Chef hat dein Vorschlag gefallen und ab jetzt bis du der Verkünder Meschugge.

Kann ich das auch als Titel in meinem Ausweis eintragen lassen?

Natürlich nicht. Jetzt aber mal zum Geschäft. Wie wollen wir die Traumbesuche, Musik und Anspruch kombinieren?

Wir können es doch als Special in die Radioshow integrieren. So kurz vor Mitternacht senden wir unseren Besuch der vorigen Nacht. Man könnte sogar noch ein Quiz einbauen, wo der Hörer Vorschlage machen kann, wem wir diese Nacht heimsuchen könnten.

Das hört sich aber sehr nach den kommerziellen Sendern an. Wer bis 23:00 anruft, bekommt gratis einen Schlagerexorzismus und eine Kaffeetasse mit dem Aufdruck Chuzpe.FM.

Okay, da gebe ich dir Recht. Es ging eben mit mir durch.

Das mit dem Integrieren in die Show ist okay, wir müssen etwas mit der Angst der Leute spielen. So nach dem Motto, dieses Nacht könnte ich auch Besuch der Schlagexorzisten bekommen. Obwohl Angst der falsche Begriff ist, wir wollen sie ja retten. Es darf aber nicht zur Belustigung verkommen.

Das ist mir klar, uns würde sonst niemand mehr ernst nehmen. Jetzt aber nochmal zur Mission. Ich fände es Anfangs besser, wenn wir durch wildfremde Träume stolpern und Werbung für unseren Sender Chuzpe.FM machen würden. So wie Santa Claus, bloß ohne Geschenke.
Wir könnten die Leute neugierig auf unseren Sender machen. Hast du nicht ein treffendes Bibelzitat parat?

Vielleicht Psalm 119,37: „Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege“

Klingt gut und hat Anspruch. Dann müssen wir aber wirklich Gas geben, damit der Sender einschlägt. Trotzdem würde ich gern ein paar Traumhausbesuche machen.

Du guckst so verschmitzt, du hast doch schon eine Idee?

Ja, ich würde gern Ross Antony das Fürchten lernen, äh ihn auf den Rechten Weg führen.

So soll es sein. Aber wie willst du, bei dieser albernen ADHS Schlagerprinzessin die Tiefensuggestion anwenden? Der oder die hält doch keine Minute still.

Da fällt mir schon etwas ein.

Fortsetzung folgt…

 

Pflugschare, Piratensender, Schrödingers Katze und die Gute Saat.

Die Revolution sollte  an einem Montag beginnen. Saint Horst hatte mir ein paar Wahlmöglichkeiten gelassen.

„Wir feiern 25 Jahre MDR – und ihr seid dabei als Programmmacher bei MDR JUMP.“

„Machen Sie Ihr Lieblingsradio noch besser – werden Sie RADIO PSR Musiktester!“

„DER GELDSCHEISSER HAUT DIE KOHLE RAUS Energy Sachsen“

„Die Radio Chemnitz Partyzone“

„Hitradio RTL wir sind Sachsen“

Die Auswahl viel mir leicht. Die Sender hatten wirklich einen sehr hohen Anspruch an sich, eigentlich haben sie gar keinen. Ich habe mich hingesetzt und mir die verschiedenen Streams angehört. Was soll ich sagen, Gewinnspiele, belanglose gepuschte Nachrichten, gequälte gute Laune, null Informationsgehalt  und langweilige Musik . Alle Streams übereinander gelegt ergeben eine wahre Kakophonie, ein weißes Rauschen. Für Patienten mit Tinnitus sehr zu empfehlen. Bei der Behandlung von Tinnitus werden auch die störenden Frequenzen mit einem Grundrauschen überlagert. Es waren fünf grausige Sender, die ich mir nie freiwillig angetan hätte. Es war zum Glück bloß für die Recherche und für kurze Zeit. Für mich kam eigentlich bloß ein Sender in Frage. Der MDR, den ihn finanzierte ich durch meinen Rundfunkbeitrag. Eigentlich verstoßen fast alle Radiosender in Sachsen, gegen das Grundgesetz Artikel (1) die Würde des Menschen ist unantastbar. Denn was sie bieten, ist unwürdig und wider des guten Geschmacks oder Bildungsauftrag. Zur Gleichen Zeit, wie ich mit meiner Mission beauftragt wurde, kam ein Kulturbericht des sächsischen Kultursenats mit dem Titel „Was ist los mit meinem Land?“ heraus. Es geht um Kultur & Politik, die von historischen Traditionen lebt, aber sich auch verändert kann. Man kann es in einem Satz für das Kulturland Sachsen formulieren, es soll alles so bleiben wie es ist. Hatte etwa Hotte seine Hände im Spiel, bei diesem Kulturbericht. War die Kultur in Sachsen doch noch nicht verloren? Bis jetzt war es wie das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze. Die Katze kann gedanklich ewig in dem Zustand zwischen tot und lebendig verharren, sowie die Medienlandschaft. Man müsste handeln und nicht im Dämmerzustand dahinsiechen. Saint Horst sprach ja von einer groß angelegten Aktion. Ich war ein kleines Rädchen in dieser Kulturrevolution. Oh Kulturrevolution, das klingt wie Bildersturm (Reformation) oder wie die Kreuzfahrer im Heiligen Land. Ganz so rücksichtslos und brutal sollte es natürlich nicht zugehen. Ich möchte die Leute aus ihrem Wachkoma rütteln, ohne Folgeschäden.

 „Du wirst ihre Radioantennen zu Pflugscharen schlagen und diese Unterhaltungsindustrie umpflügen, bis die Gute Saat aufgeht“

Wow, das war ein markige Ansage, äh Verkündigung. Ich war froh, das Hotte wieder erschien. Wenn man allein ist, kommt man ins Grübeln und Zweifeln, ob man wirklich der Richtige „Auserwählte“ ist. Es könnte auch sein, das ich alles träume, oder bin ich vielleicht doch wahnsinnig geworden. Alles vergessen, Hotte war ja da!

Hallo Meschugge, wie gehts? Hast du dir meine Vorschläge durch den Kopf gehenlassen?

Naja es geht so, ich war gerade am zweifeln, ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Sag mal, hast du die Hände bei diesem Kulturbericht im Spiel?

Wir haben Sachsen noch nicht aufgegeben, obwohl der Chef anfangs dagegen war. Er meint aber, jeder hat eine zweite, dritte… oder siebente Chance verdient.

Oh ich verstehe, sieben steht ja für Vollkommenheit. Wie wollen wir nun vorgehen?

Es ist bloß Zahlenmystik, Sachsen hat schon unzählige Versuche gehabt und fast alle vergeigt. Ich sag bloß friedliche Revolution, das war ein Lichtblick. Es war ein kurzes Aufflackern, danach ist es in ein hundertjährigen „christlich“ demokratischen Schlaf gefallen.

Mir schwant schlimmes, soll ich jetzt auch noch politisch aktiv werden? Das würde nur zu Kollateralschäden führen, oder zur Anarchie. Ich habe nämlich Sympathien für Martin Sonneborns Partei „die Partei“. Sehr gern, zitiere ich auch Jaroslav Hašek tschechische anarchistische Bewegung „Die Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“.

Haha, die Idee gefällt mir gut Anarchy in Saxony.

Ich würde mich aber gern auf die Musikmission beschränken, auf was habe ich mich da eingelassen. Am Ende muss ich noch die Welt retten.

Es geht um das große Ganze, das hatte ich am Anfang erwähnt. Jede Revolution hat einmal klein angefangen. Mit Sachsen bist du erstmal eine Weile beschäftigt. Der schlechte Geschmack ist ein speziell deutsches Problem. So jetzt mal Butter bei den Fischen. Die Idee, dich bei den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten als trojanisches Pferd unterzubringen, haben wir verworfen. Die Gefahr, das du in diesem seelenlosen Betrieb aufgerieben wirst ist zu groß.

Wie, was jetzt? Soll ich jetzt von Haus zu Haus ziehen, wie die Sternsinger oder die Zeugen Jehovas? Ich sehe es bildlich vor mir, wie ich bei wildfremden Leuten klingle und  „Ich würde gern mit ihnen über ihren schlechten Musikgeschmack sprechen“ sage. Das geht nicht gut, sie würden mich mit Schimpf und Schande aus dem Dorf jagen.

Man, deine Phantasie möchte ich haben Meschugge. Nein, wir planen das System zu unterwandern mit einem Piratensender.

Piratensender…?

Ja ein Piratensender, ein Offshore- Radio, so wie damals „Radio Caroline“. Die haben die BBC in die Knie gezwungen. Was ist schon eine kleine regionale Sendeanstalt (MDR) gegen die BBC.

Keine schlechte Idee, aber das war im vorigen Jahrhundert. Es gab bloß Radio. Jetzt kann man aus dem Internet Musik streamen oder downloaden.
Der Mensch ist aber ein Gewohnheitstier, er möchte sich berieseln lassen. Wir haben ja durch die Feinstaubbelastung (Cloud) die Hörgewohnheiten analysiert. Es ist immer das Gleiche, es möchte sich niemand die Mühe machen, nach neuer aufregender Musik mit Botschaften zu suchen.
Ja das weiß ich. Was ist aber, wenn niemand unseren Piratensender einschaltet?
Dafür haben wir ja dich, du bist in deiner Begeisterung und Enthusiasmus für Musik nicht zu toppen. Bis jetzt hast du alle überzeugt. Mal so im Geheimen, der Chef kannte die Band „Two Gallants“ überhaupt nicht. Jetzt läuft sie rauf und runter.
Oh das freut mich sehr, ich habe wohl einen heimlichen Follower auf Last.fm. Kann ich einmal eine indiskrete Frage stellen?
Ja schieß los!
Wenn ihr so einen Einfluss und uneingeschränkten Zugriff auf alles habt, wofür braucht ihr mich? Ich bin bloß ein Amateur und blutiger Anfänger gegen euer Wissen, Kompetenzen und Macht.
Die Frage lässt sich einfach klären. Es muss menschlich sein und nicht von oben herab. Ich weiß der Vergleich hinkt etwas, aber vor ca. 2000 Jahren haben wir auch überlegt, was wir machen. Ich hatte dann die Idee mit dem Tischler in Nazareth gehabt. Jesus stand ja schon in der Warteschleife und ich konnte sein Genörgel nicht mehr ertragen. Mal war ihm Island oder Sibirien zu kalt, Afrika war ihm zu warm und so weiter. Die Entscheidung viel dann eben, auf ein von Römern besetztes Land am Mittelmehr.
Ja der Vergleich hinkt, ich habe keine Wahl. Ich bin trotz meiner Unsicherheit und Bedenken bereit für die Mission. Ihr dürft mich bloß, nicht zu lange warten lassen, denn ich bin zwar schnell zu begeistern, aber ich zweifle auch sehr schnell.
Wir versuchen es ja, es geht sich aber nicht immer aus. Sachsen ist nicht der einzige Krisenherd.
Dafür habe ich auch Verständnis, ich bin eben ungeduldig und möchte loslegen.
Das wirst du auch Meschugge. Denn du hast die Chuzpe dafür.
Oh, ich mag jiddische Wörter. Das wäre doch auch ein guter Namen für den Piratensender, Chuzpe.FM?
Ich merke wir passen gut  zusammen, die Idee hätte von mir sein können. Du hast die nötige Frechheit und Dreistigkeit, die verlorenen Situation zum Guten zu wenden.

 

Vorstellung folgt…

Warten, Unsterblichkeit und der Stein des Schlagers.

Warten ist nicht gerade meine Stärke. Ich bin für gewöhnlich sehr ungeduldig. Man sieht in allem ein Zeichen, oder möchte es sehen. Es muss ja kein brennender Dornbusch sein oder die Jungfrau Maria, die mir erscheint. Bei letzteren würde dann Pockau-Lengefeld zum Wallfahrtsort. Vielleicht waren es die Spaghetti, die mir heute angebrannt sind. Es war aber kein Jesus oder wenigstens ein Papst in der verkohlten Masse zu erkennen. Schade eigentlich, das hätte sich gut bei Ebay verticken lassen. Aber warum soll Gott mir das Essen vermiesen. Ich mag eher klare Ansagen und nicht solche halbgare/angebrannte Sachen.

Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubet ihr nicht (Johannes 4:48)

Das klang jetzt etwas vorwurfsvoll Hotte, man macht sich halt Gedanken. Es ist schön das du wieder da bist. Nun kann es endlich es losgehen.

Ja da bin ich wieder, es gab ein paar Neuzugänge, die abgearbeitet werden mussten.

Das habe ich schon gelesen und in Gedanken habe ich mir schon die Stelle von Professor Gernot Simoni als Chef der Sachsenklinik ausgemalt.

An Größenwahn mangelt es dir nicht Meschugge. So sehr mir der Gedanke auch gefällt, dich als Chef der schnarchigen Sachsenklinik zu sehen, aber wir haben größeres vor. Vielleicht komme ich aber nochmal darauf zurück, etwas schwarzer Humor würde der Serie gut tun.

Ich hätte da schon ein paar Ideen, eine Mischung zwischen Dr. House und Dr. Postel als Chef. Die Schauspieler, die den Krankenhausalltag simulieren, würde ich nach und nach mit den schmierigen Laiendarstellern der Reality Sendungen (private Sender) austauschen. Dann würden bestimmt auch die Zuschauer erkennen, das dieser Schund nicht das reale Leben ist.

Ich komme darauf zurück versprochen. Was ist überhaupt mit deinen 101 Thesen, die du an die an das City-Hochhaus Leipzig nageln möchtest?

Naja so ganz habe ich ich sie noch nicht zusammen.

Jetzt kommen wir erstmal zu den Fakten. Wir haben uns die letzten Tagen einmal zusammengesetzt und überlegt, wo wir dich als trojanisches Pferd einschleusen können. Es gibt da eine Sendung für Voyeure, die nennt sich „Lebensretter“ und wird von einer Handpuppe S. Voss moderiert. Die Zuschauer würde es gar nicht merken, das wir diese fleischgeworde Betroffenheit gegen einen lebendigen Menschen austauschen.

Genau das habe ich erwartet, einmal Krankenfahrer immer Krankenfahrer. Ich dachte ihr wißt um meine Befindlichkeiten. Das trifft mich ganz schön. Zuerst bauchmiezeln, wir haben Großes mit dir vor und dann das. Ich möchte nicht, die schönsten Unglücke der DDR und anderen Schrott der geheuchelten Betroffenheit präsentieren. Dann lieber „Die große Show der Schlager mit Florian Silbereisen“. Ich habe gelesen, da tritt Hansi Hinterseer, Ross Antony und Santiano. Die ganze Mischpoke des schlechten Geschmackes auf einem Haufen. Think Big, kann ich bloß sagen.

Mensch Meschugge, du glaubst wirklich an das Gute im Menschen. Die Sendung ist doch schon aufgezeichnet worden. Man bekommt doch die ganzen abgehalfterten Schlagerheinis nicht zusammen. Die sind sich doch nicht grün.

Ach Menno, es wäre so schön gewesen. Ich hätte auch ein paar geniale Ideen. Wie wäre es mit dem falschen Playback für die „Künstler“. Wenn zum Beispiel das Föhnfrisurenmodell, Dauergrinser und Skihaserl Hansi Hinterseer zu einem Lied der singenden Klabautermänner auftritt? Oder Andrea Berg anstatt der üblichen Presswurstkleider (Sex sells) die Kleider von Malte Kelly auftragen muss. Ich würde sogar in der Maske Hand anlegen um Ross Antony hübsch zu machen, weil singen kann der eh nicht. Florian würde ich die Wahrheit über Helene erzählen, das sie eine russische Agentin ist. Sie soll im Auftrag Putins, das Schlagerpuplikum für eine Neubesiedlung des menschenleeren Sibiriens gewinnen, mit unterschwelligen Botschaften. Man ist Atemlos, wenn man bei -50 Grad die Notdurft im Freien verrichtet und sich der Wölfen erwehren muss.

Nee, nee so geht das nicht. Das wäre die brachiale Methode und die geht eigentlich immer schief. Wir müssen das Publikum langsam aus dem Koma holen.

Das dauert doch ewig, so wie bei Dornröschen. Ich möchte nicht hundert Jahre missionieren.

Du bist doch unsterblich.

Wie meinst du das jetzt. Muss ich wie Sisyphus den Stein des Schlagers, den ich eigentlich über die Klippe in den Abgrund stoßen möchte, jeden Tag aufs Neue den Berg hinaufrollen?

Ich bin beeindruckt von deinem sehr treffenden Vergleich. Es wäre wirklich schön, alles Schlechte dieser Welt auf einen Gegenstand zu projizieren. Man nennt es Sündenbock. Die Erde ist aber keine Scheibe. Irgendwann kämen die Schlagerzombies wieder aus ihren Löchern und würden ihr Unwesen weiter treiben.

Oh das ist ein schrecklicher Gedanke. The Walking Dead des Schlagers. Obwohl ich den Eindruck schon länger habe. Die meisten, dieser angeblichen Künstler sind im übertragenen Sinne schon tot. Sie werden von einer unbekannten Macht angetrieben noch mehr Zuschauer und Hörer zu infizieren. Jetzt aber bitte nochmal zu meiner Unsterblichkeit. Ich möchte nicht unsterblich sein.

Da ist mir aber wieder etwas rausgerutscht. Ich meinte natürlich die ewigen Existenz der Seele. Also wenn du stirbst, dann hörst du nicht auf zu existieren, sondern lebst weiter. Dein Ich bleibt bestehen.

Okay, hoffentlich nicht als Schlagerzombie…?

Nein, Meschugge du bist immun, du bist der Auserwählte.

Fortsetzung folgt…