Vorab-Hilfe im Rettungsdienst (Notfallsanitäter als Gemeindeschwester mit besonderen Befugnissen).

Auf Grund des Anstiegs, der Einsatzzahlen im Rettungsdienst, ist es erforderlich umzudenken. Es ist statistisch erwiesen, das ca. 80% der Einsätze keine Notfälle sind. Das jetzige System wird irgendwann an seine Grenzen stoßen, oder ist es schon. Man kann nicht zu jeder unklaren Lagemeldung einen Notarzt schicken. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das 1 Einsatz von ca. 10 ein wirklicher Notfall ist, der einen Notarzt vor Ort erfordert. Die restlichen statistischen 9 Einsätze sind meistens allgemeine Hilflosigkeit. Die da wären, Hypertonie (messen bis der Zielwert erreicht ist), die neue Apotheken Umschau, Kreislaufdysregulation, schlechter Allgemeinzustand, fieberhafter Infekt, Alkoholintoxikation, Hausarzt hat Urlaub und der Klassiker, ich habe kein Auto um ins Krankenhaus zu kommen. Der Rettungsdienst versucht gegenzusteuern, indem sukzessiv die Anzahl der Rettungswagen erhöht wird. Meine Meinung nach, ist das der falsche Weg. Der schöne Vergleich, wo Quantität mit Qualität verwechselt wird drängt sich auf, oder besser gesagt, mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Durch die Zunahme des Anspruchsdenkens und der Vollkaskomentalität in der Bevölkerung, wird der Rettungsdienst zum Transportgehilfe degradiert. Der Rettungsdienst in Deutschland ist hoch effizient und kann viel mehr, als vermeintliche Patienten zum durchchecken ins Krankenhaus zu fahren.
Die Notaufnahmen der Krankenhäuser platzen so schon aus allen Nähten, durch die Patienten die zu Fuß kommen, um sich durchchecken zu lassen.
Dem könnte man entgegensteuern, in dem man die bestehenden Ressourcen nutzt. Mein Vorschlag wäre, ein Einsatzfahrzeug ähnlich dem Notarztfahrzeug mit einem Notfallsanitäter zu besetzen. Dieses würde dann bei unklaren Notfällen eingesetzt werden, die ich oben schon einmal erwähnt habe. Vor Ort könnte der Notfallsanitäter dann entscheiden (natürlich nach Rücksprache mit dem Hausarzt), ob der vermeintliche Patient einer sofortigen Behandlung im Krankenhaus bedarf. Falls es einmal zu einer lebensbedrohlichen Situation des Patienten vor Ort kommen sollte, kann der Notfallsanitäter durch seine Regelkompetenz einschreiten und handeln, bis der Notarzt oder Rettungsdienst eintrifft. Ich weiß auch, das es bestimmt einen Aufschrei geben wird, das ich anmaßend bin und meine Kompetenzen überschreite. Damit kann ich lebe, denn ich liebe meinen Job und bin kein Krankenträger oder Krankenwagenfahrer. Der Rettungsdienst wird gebraucht, das steht außer Frage. Ich möchte auch mit dem Artikel nicht am eigenen Ast sägen, denn ich lebe ja davon. Mein Problem ist, das der Rettungsdienst sich mit Bagatellen beschäftigen muss, während andere Notfälle auf Rettung hoffen.

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Es ist ein Kreuz mit dem roten Kreuz (Freiberg)

Meistens bin ich wirklich sehr geduldig, mich bringt nichts gleich aus der Ruhe.
Es sei denn Ungerechtigkeit. Der Rechtsstreit mit dem DRK-Freiberg scheint noch nicht zu Ende. Wie lange hält sich diese Unmenschlichkeit noch?
Meine letzter Blogeintrag zu diesem Thema war ziemlich emotionslos, ich hatte mich im Griff. Während ich das schreibe kochen die Emotionen, ich werde trotzdem versuchen sachlich zu bleiben. Die Anwältin des DRK legte eine unerträgliche Penetranz an den Tag, wenn es um das Eintreiben von Vertragsstrafen geht. Ich habe die geforderte Vertragsstrafe zwei Tage zu spät gezahlt, okay das ist mein Problem.
Ich bin mit dem 31.12.2016 aus dem DRK-Freiberg ausgeschieden, meinen Überstunden die sich 2016 angehäuft haben und den Zuschlägen vom Dezember bin ich auch hinterhergelaufen. Auf telefonische Nachfrage in der Lohnbuchhaltung, wurde mir mitgeteilt, das auf Anweisung des Geschäftsführers meine Überstunden und Zuschläge einbehalten werden. Erst auf Drohung mit gerichtlicher Auseinandersetzung wurden sie ausgezahlt.
Ich habe im Februar 2016 eine Nachzahlung erhalten, ob die Summe stimmt, lässt sich nicht nachvollziehen. Es gab kein monatliches Stundenkonto oder einen anderen Nachweis. Auch kam es öfters vor, das genehmigter Urlaub ausgezahlt werden musste, weil akute Personalknappheit bestand, oder immer noch besteht.
Da ich schon 1996 beim DRK-Freiberg angefangen habe gehörte ich zu den privilegierten Mitarbeitern mit einem Verdi Tarifvertrag. Der Tarifvertrag wurde irgendwann 1999 eingefroren. Alle Mitarbeiter, die danach kamen, wurden in die Arbeitgeber freundliche Phantomgewerkschaft DHV eingegliedert. Das bedeutete 300-400 Euro Lohnunterschied, kein Weihnachtsgeld oder sonstigen Zulagen die im Verdi-Tarif üblich waren. Die Arbeit war aber für alle gleich, nur eben die Bezahlung unterschiedlich. Die Arbeitszeiten hatte ich ja schon einmal erwähnt. Es war eben keine Seltenheit ca. 200-240 h im Monat im Dienst zu sein. Es gab sogar ein Dienstplanprogramm, aber bei gefühlt 10-15 Mitarbeitern zu wenig, ist es eben bloß Makulatur. Der Rettungsdienstbereich bestand aus 7 Rettungswachen mit völlig wirren Dienstzeiten. Ich habe es zum Glück nie verschlafen oder verpasst. Wenn man viel Glück hatte, war man fünf Tage für eine Rettungswache eingeteilt. Es kam aber vor, das man springen musste, heute hier morgen da. Von Menschlichkeit war nicht viel zu spüren, obwohl es der erste Grundsatz des DRK ist. Man fühlte sich wie Kanonenfutter, Hauptsache die Dienste waren besetzt, der Rest war egal. Viele Kollegen waren schon länger in Rente, aber genauso häufig da, als ob sie vollerwerbstätig wären.
Sehr häufig kam es vor, das auszubildende Praktikanten (Rettungsassistenten) als zweiter Mann auf dem RTW eingesetzt wurden. Es gab sogar noch Steigerungen. Auszubildende Rettungsassistenten ohne Führerschein wurden als zweiter Mann eingesetzt. Ich erzähle hier nicht etwas nach, ich habe es erlebt. Wenn man sich weigerte, diese Praxis beizubehalten, wurde gesagt, für das DRK-Freiberg gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Auf meine Kritik (telefonisch) beim Geschäftsführer wurde mir gesagt, die Praktikanten möchten eben etwas erleben. Das macht einen sprachlos. Lernen und Erleben auf Kosten der Gesundheit der Patienten. Es wurde und wird weiterhin auf Verschleiß gefahren. Ich habe für mich im Juni 2016 persönlich die Reißleine gezogen. Eine interne Stellenausschreibung der Berufsfeuerwehr Chemnitz war vielversprechend. Also habe ich mich beworben. Meine Kündigungsfrist war 6 Monate zum Ende des Quartals. Ich wollte es im Guten versuchen, aus der Tretmühle auszubrechen. Zweimal umsonst, das DRK-Freiberg wird nach Gutsherrenart geführt. Ein absolutistischer Herrscher (im früheren Beruf, Sprechstundenhilfe und Bademeister) ist der Geschäftsführer. Ich habe dann zum 31.12.16 gekündigt, weder fristgerecht noch fristgemäß. In der Kündigung habe ich um ein Gespräch gebeten um meine Gründe für die Kündigung zu benennen. Es kam nie dazu. Von Juli bis Mitte Dezember war es dann ruhig um meine Kündigung. Mir war es dann etwas unheimlich und ich habe das Gespräch über den Umweg der Rettungswachenleiterin gesucht. Die Reaktion kam prompt, ich bekam einen Brief vom Geschäftsführer, in dem drohte, beleidigte und bettelte er gleichzeitig. Das DRK-Freiberg hatte 6 Monate Zeit gehabt, einen adäquaten Ersatz für mich zu finden. Nichts ist passiert. Unangenehme Mitarbeiter (die für ihre Rechte kämpfen) werden im Dienst von Rettungsdienstleiter und Geschäftsführer besucht. Ihnen wird mit unlauteren Mitteln, (Krankheitstage, Minusstunden) nahegelegt einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Mir ist es auch völlig klar, das sich das DRK-Freiberg den Marktanforderungen stellen muss, aber nicht indem es seine 7 Grundsätze über Bord wirft. In anderen Landkreisen ist ja auch möglich für die Arbeitnehmer eine Tarifvertrag mit Verdi auszuhandeln. Die politischen Verflechtungen des DRK im Vorstand, wo sich Berufspolitiker und Manager Wohlstand zufächeln ist mit den Grundsätzen nicht vereinbar. Das DRK-Freiberg ist ein eingetragener Verein, es ist aber ein Wirtschaftsunternehmen, mehr nicht! Es gibt wirklich viele Ehrenamtliche Mitglieder, die im verborgenen arbeiten und den ehemaligen guten Ruf des DRK fördern. Ich möchte ihre Arbeit nicht verunglimpfen, sie sind für die Basisarbeit sehr wichtig unerlässlichEin Glück, das Henry Dunant das nicht mehr erleben muss.

Der Schlagerexorzist auf Dienstreise.

Das Letzte was ich noch weiß, ich wurde wach und sah ein gleißendes Licht. Ungefähr so, wie in der Außenrettungswache in Flöha. Dort lagen die Ruheräume im Keller. Eines Nachts wurde ich auch wach von einem gleißenden Licht. Es waren zum Glück keine Außerirdischen, sondern ein Auto, was mit Fernlicht vor dem Ruheraum in 10 Zügen wendete. Zurück zu meiner Mission. Nach dem Licht, verbrachte ich eine Ewigkeit in der Dunkelheit. Anscheinend haben auch Verkündungsengel begrenzte Höchstgeschwindigkeiten, denn nach Berlin brauche ich privat höchstens 3 Stunden. Mir war klar, das Hotte mich zur ersten Mission abgeholt hat. Okay, es hätte auch ein Ufo sein können, was meine etwas seltsamen Nachbarn zur medizinischen Untersuchung abholt. Spaß beiseite, Hotte und ich waren unterwegs nach Berlin. In meiner Phantasie ging ich alle möglichen Szenerien durch, was ich erleben würde. Es gibt auf den privaten Sendern Reality Serien, so ungefähr stellte ich es mir vor. Das Leben ist eine große Wohngemeinschaft, alle haben Probleme, die keine sind, Fitnesscenter, dummes Gelaber den ganzen Tag und keiner geht wirklich ernsthaft arbeiten. Das ist ungefähr so unterhaltsam, wie den Amöben bei der Zellteilung zuzusehen. Es wurde langsam hell, wir waren also bei Linda angekommenen. Hotte hatte nicht zu viel versprochen. Es war eine 3 Zimmer Altbauwohnung. So wie sie keine Ahnung von Musik hat, ist auch die  Inneneinrichtung. Über Geschmack lässt sich wunderbar streiten, wenn man den besitzt. Sie war gerade dabei, sich im Bad aufzubrezeln. Hotte und ich sahen uns in Ruhe in ihrer Wohnung um. Mich interessierte ihre Musiksammlung. Es gab zu meinem Entsetzen keine CD´s, Schallplatten oder sonstige Tonträger. Okay, an der Wand hing eine „goldene“ Schallplatte. Die könnte aber auch vom Flohmarkt sein. Auf dem vollgestellten Couchtisch lag ihr Smartphone und dort lag auch eine Bluetoothbox. Sie wird doch nicht bloß damit Musik konsumieren? Hotte hatte sich bei diesem Anblick kurz bekreuzigt und sagte, um Gotteswillen dieses arme Seele. Das Entsperren des Smartphones war nicht schwer, Geburtstagsdaten gehen immer. Hmm, zumindest hatte sie Spotify, aber was ich dann sah, lies mich erschaudern. Hotte legte mir seinen Arm um die Schulter und sagte, hast du wirklich geglaubt, das sie Musik liebt oder geschweige denn hört? Aber, aber sie gibt doch vor Musik zu machen. Ich dachte, sie macht Schlager bloß wegen dem Geld und hört heimlich Jazz oder Deathmetal. Nichts, aber auch gar nichts, was annähernd an Musik erinnert ist auf dem Startphone. Sie hört ihre eigenen Lieder an und die der anderen Schlageruntoten. In diesem Moment wurde es mir klar, auf was für eine Mission ich mich eingelassen hatte. Mir fielen Jesus Worte ein, „Wieso hast du mich verlassen“… Ich fühlte plötzlich diese alte Unsicherheit in mir, bin ich dieser Aufgabe wirklich gewachsen. Auf der einen Seite bin ich eine musikalisch gefestigte Persönlichkeit, auf der anderen Seite war die Überlegung, wieviel habe ich wirklich schon gerettet. Alle fanden meine musikalischen Vorschläge ja ganz nett, aber reicht das wirklich? In Lindas musikalischer Früherziehung, muss aber irgendwas völlig schiefgelaufen sein. Mir fiel sofort Guantanamo ein, Musik als Folter. Sie muss einer Hirnwäsche unterzogen worden sein. Vielleicht wird sie immer noch fremdbestimmt? Es kann nicht anders sein! Sie wird manipuliert. Vielleicht ist sie noch zu retten. Meine schlimmster Alptraum wäre, das sie so etwas wie ein Vampir ist. Vielleicht ist sie irgendwann, in ihrer Jugend, während einer Guantanamositzung von einem Schlageruntoten gebissen worden. Gott bewahre, ich bin nicht Van Helsing. Ich wüßte auch nicht, ob Kruzifixe und Knoblauch bei Schlageruntoten helfen. Wenn es wirklich so ist, ist sie verloren und woher bekommt man auf die Schnelle einen Eichenpflock um diesem Treiben ein Ende zu bereiten. In diesem Moment kam sie aus dem Bad, ich erschreckte mich ganz schön. Ich fühlte mich ertappt wie ein Einbrecher. Hotte beruhigte mich, er sagte, sie kann uns nicht sehen, geschweige denn unsere Anwesenheit spüren. Trotzdem kam ich mir wie ein Spanner vor. Was ist, wenn sie in der Nase bohrt, oder sich am Hintern kratzt. Sie suchte ihre Smartphone, mein Gott, ich hatte es noch in der Hand. Linda ging nochmal ins Bad um ihr Startphone zu suchen. Das gab mir die Zeit, es diskret auf den Couchtisch zu legen. Wir hatten zum Glück alles kopiert und vollen Zugriff auf alle ihre Accounts. Das wird eine Heidenarbeit, ehe wir uns durch den ganzen belanglosen Kram gekämpft haben. Ein bisschen kam es mir wie Geheimdienstarbeit vor. Jetzt war sie auf dem Weg zu einem Auftritt, vielleicht hat ja ein neues Auto oder Möbelhaus eröffnet. Zu mehr ist sie ja auch nicht zu gebrauchen. Hotte und ich konnte uns ungestört an die Bearbeitung ihres neuen Lebens machen. Wir mussten vorsichtig und langsam vorgehen, eine plötzliche 180 Grad Drehung würde bloß die anderen Schlagerzombies auf den Plan rufen. Zuerst installierte ich meine Schlagerexorzistenplaylist auf ihrem Smartphone. Damit sie jedesmal, wenn sie ihre unsägliche Kakophonie an Schlager abspielen möchte, meine empfohlene Musik hört. Sie sollte langsam weichgekocht werden. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagte Horst. Er kümmerte sich inzwischen um ihren Facebook und Instagram Account, er likte wild drauflos, finnische Deathmetalbands, libanesische Singer/Songwriter, deutsche Punkrockbands usw. Wir mussten uns sputen um ihr zu folgen. Sie hatte einen Auftritt in einem betreuten Wohnen. Hmm, sie hilft ihre Oma gern, sagte Hotte, das steht zumindest in ihrer geschönten Vita. Mit dem Auftritt im betreuten Wohnen, verstieß sie gegen die Genfer Konventionen, also gegen das humanitäre Völkerecht. Die Bewohner der Einrichtung konnten ja nicht flüchten und waren eine Stunde dieser Schlagerhölle ausgesetzt. Das ist definitiv Folter. Wer sagt denn, das Rentner alle fürchterlichen Schlager mögen. Sie zog die Show gelangweilt durch, mit Dauergrinsen, weil sie wußte, das sie wieder ein paar verlorene Seelen auf die Seite, des personifizierten Bösen gezogen hatte. Während ihrer Darbietung schüttelte sie viele Hände und ließ sich mit wehrlosen Rentnern fotografieren. Hotte sagte, wir müssen sie stoppen, denn sie breitet sich schneller aus, als das Norovirus auf einer Kreuzfahrt oder im Pflegeheim. Wenn wir nicht einschreiten, haben wir innerhalb kurzer Zeit Tausende Schlagerinfizierte. Wir mussten dem Unheil Einhalt gebieten.

 

Fortsetzung folgt…

Der Exorzismus der Linda H. in Ermanglung anderer Kandidaten.

Hiob 33,14-17
Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager: 16 dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt, 17 um den Menschen von seinem Tun abzuwenden
Der Chef hat mir diesen Auszug, aus dem Buch Hiob mit auf den Weg gegeben, als grobe Handlungsanweisung. Er hat uns aber freie Hand gelassen, bei der Umsetzung. Man sollte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir wollen, sie ja von ihrem Tun abhalten und zur Umkehr bekehren. Es wird niemand ernsthaft zu Schaden kommen, das habe ich dem Chef versprochen.

Ich werde mein Bestes geben und keine Extratouren unternehmen, versprochen.

Das soll ich jetzt glauben?

Das wirst du hypothetisch wohl müssen.

Lass bitte diese Spitzfindigkeiten.

War bloß ein Scherz. Ich stehe voll und ganz hinter unserer Mission.

Okay, jetzt zu den Details. Ich habe mich über Ross Antony erkundigt. Es ist nicht so einfach, wie wir gedacht haben. Der Brexit macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Briten haben mit ihm noch eine Rechnung offen. Er war nämlich im Auftrag des britischen Empires unterwegs und sollte mit seinem Untalent, die deutsche Unterhaltungsindustrie unterwandern. Die Briten vermuten in ihm einen Doppelagenten.

Oh, er wurde vom „german bad taste“ umgedreht?!

Ja und deswegen ist der MI6 schon an ihm dran. Wir sollten uns an nationale Schlagerzombies halten meinte der Chef. Hast du eine andere Zielperson parat? Vielleicht eine einfachstrukturierte Schlagerprinzessin?

Hmm, so spontan fällt mir da, Linda H. ein. Ein netter Ex-Kollege ist ein großer Fan von ihr. Ich wollte ihn auf den rechten Weg bringen, aber er steckt schon zu sehr im Schlagersumpf drin.

Das klingt ja furchtbar, ich weiß wen du meinst. Er ist ja noch so jung und schon verloren.

Ich hoffe, er findet irgendwann zurück auf den rechten Weg.

Wir werden für ihn beten.

Jetzt mal zu Linda H. Was meinst du Hotte?

Moment ich ziehe mir gerade ihre Vita. Mein Gott, der Lebenslauf liest sich, wie von einer mittelmäßigen Werbeagentur zusammengeschustert. Man täuscht Bodenständigkeit vor, ist volksnah, versteht was die Leute möchten, ein bisschen soziales Engagement, hilft der Oma und hat Sonne im Herzen. Es ist einfach zum Gotterbarmen. Es ist so eine billige Schmierenkomödie, so schlecht, das es schon fast als Satire durchgeht.

Was meinst du nun?

Jaa, sie ist ideal.

Wie wollen wir vorgehen? Tiefensuggestion, live Hack, Viren oder Trojaner?

Nichts davon, wir werden die Dimensionslöcher nutzen, die Prof. Dr. Abdul Nachtigaller (alias Walter Moers) in seinem Lexikon über Zamonien beschrieben hat.

Und wie finden wir so ein passendes Dimensionsloch? Nicht das wir aus Versehen, bei irgendeiner abgelegten DSDS Eintagsfliege, in einem vollgestellten Traum mit unerfüllten Wünschen rauskommen.

Nein, wir werden das Dimensionsloch verwenden, aus dem das Unheil gekrochen ist. Es liegt zur Zeit in Berlin. Also dort wohnt sie jetzt.

Ich mag Berlin sehr, es ist die Stadt der Gegensätze, Weltoffenheit und der liebenswerten Verrückten. Sie versucht sozusagen, ihr bedeutungsloses Leben mit Berlin aufzuwerten. Klar, mit Halberstadt ist man immer etwas hinter dem Mond.

Okay, also haben wir jetzt unsere Zielperson und können loslegen. Mach dich bitte auf  das Schlimmste gefasst Meschugge. Was wir sehen und erleben werden, würde Normalsterblichen, die Haare zu Berge stehen lassen.

Keine Angst, über 20 Jahre Rettungsdienst härten wirklich ab. Ich sage es mal so, nichts menschliches ist mir fremd.

Wir werden sie einen Tag begleiten und das was sie mit uns Inkognito erlebt, wird sie Abends mit unserer Hilfe verarbeiten.

Wie sieht es mit der Anreise aus, muss ich selbst nach Berlin zu dem Dimensionsloch fahren? Gibt es vielleicht einen Dienstreiseauftrag?

Nichts dergleichen, ich hatte doch schon erwähnt, wir transformieren dich ans Ziel. Um genau zu sein, transformieren wir dich in das Unterbewusstsein der Zielperson.

Da kann nichts schiefgehen?

Nein, das kann es nicht. Wir gehen zusammen in die geschönte Hochglanzschlagerhölle. Du kannst dir ja schon einmal ein Bild machen, sie hat auch einen Instagramaccount.

Ich habe mir ihren Account schon angesehen. Das übliche oberflächige Leben halt, Latte Macchiato Wohlfühlbilder, Fitnesscenter, Haustiere, ein paar Sex sells Fotos. Dann gibt es noch ein paar Fotos mit abgehalfterten Schlagerzombies. Bei letzteren, könnte man denken, die Fotos sind bei Madam Tussaud aufgenommen, einfach bloß gruselig, diese Untoten.

Was soll ich sagen, ich habe es mir schon mal kurz angetan. Es ist nicht so, wie sie sich auf Instagram präsentiert. Du hast in deinem Job, bestimmt schon ähnliche Bruchbuden auf dem Sonnenberg in Chemnitz gesehen.

Ich dachte es mir schon. Jung und talentlos eben. In der Wohnung liegt die Wäsche über Ikeamöbel verstreut, auf dem Boden ist ein undefinierbare, klebrige Flüssigkeit verteil. Wo man nicht weiß, war das Haustier undicht, oder? An der Wand ist bestimmt ein Wandtatoo „Carpe diem“, auf und unter dem Sofa leere angegammelte Pizzapackungen. Den 40-50inch LCD-Fernseher und den pinken Dekokram habe ich noch vergessen.

Es ist noch viel schlimmer, als du dir ausmalen kannst. Ungeschminkt, Jogginghose und eine angeranzte Bude, die auf Lifestyle macht, aber nach Hartz IV aussieht. Schein und Sein eben. Sie bräuchte definitiv einen Einrichtungsberater. Die Werbeagentur kümmert sich eben bloß um den öffentlichen Auftritt. 

Wann geht es nun los?

Ich werde dich am Freitag abholen, äh heimsuchen.

Brauche ich Wechselwäsche, Duschbad oder eine Zahnbürste?

Nein, es zirkuliert.

Ich bin schon so aufgeregt, endlich geht es los. Ich habe übrigens schon einmal eine Playlist auf Spotify zusammengestellt, für unser Radio Chuzpe.FM. Du kannst es dir ja einmal anhören und absegnen.

Du hast meinen Segen, also bis Freitag. Ich muss jetzt dienstlich nach Berlin. Der Chef meint, man müsste etwas unternehmen, gegen diese Empörungsindustrie. Die nicht bloß israelische Flaggen verbrennen, sondern auch ihren Verstand.

Fortsetzung folgt…

 

 

Der schlechte Geschmack im Alptraumnebel versinkt, die Seele in den Himmel springt.

Piratensender…? ging es mir durch den Kopf. Wie hatte sich das Hotte vorgestellt? Er war zwar auf dem neuesten Stand der Zeit und Technik, aber hatte er auch Ahnung von Marketing? Sollte es altmodisch über UKW, DAB oder Internet laufen? Wie bekommen wir die von den Massenmedien weichgespülten und für dumm verkauften Hörer zum Einschalten des Senders. Man müsste irgendwie Werbung machen, die an das Bewusstsein der Leute appelliert. Zum Beispiel, wie Johann Tetzel „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“. Klar bekommt man heute mit solchen Sprüchen niemand mehr hinter dem Radio, Computer oder Fernseher hervor. Man bräuchte etwas mit Verschwörung, das würde bestimmt funktionieren. Das wäre ja auch gar nicht so weit hergeholt. Was wäre, wenn wir von Außerirdischen fremdbestimmt werden. Die Aliens haben die Medienmacht übernommen und versuchen durch ständige Berieselung mit Trivialunterhaltung, die Macht in Sachsen zu übernehmen. Obwohl das wäre ja keine besondere Neuigkeit. Die Frage ist bloß, wer sind die Aliens und was wollen sie genau. Sie haben doch schon alles erreicht. Eins ist auf jeden Fall klar, die Verschwörung darf nicht in die Rassisten, Nazi und andere religiöse Spinner/Hetzerecke gedrängt werden. Sie muss eigenständig und etwas völlig Neues sein. Ob ich vielleicht auch mit Superkräften ausgestattet würde? So eine Art hypnotische Fähigkeit, wenn ich versuche eine renitente, verlorene Seele für die Gute Saat zu gewinnen. Hmm, wenn ich es mal richtig bedenke, ich bin ja sterblich. Selbst Jesus war zu Lebzeiten nicht vor Widrigkeiten gefeit. Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen, waren seine letzten Worte. Im Grunde kann ich mir die Frage nach Superkräften sparen und habe sie mir gleich selbst beantwortet.
Es gibt ja auch einen Werbespruch für Sachsen, „So geht sächsisch“. Was möchte der Initiator damit sagen? Wenn man diese Seite ansteuert sind die Hauptthemen, Wirtschaft, Tourismus und dann kommt irgendwann Kultur, die sich auf die größeren Zentren konzertiert. Einer der Kulturspots des Monats ist das Lügenmuseum in Radebeul, sehr bezeichnend. Immer noch besser als Sachsen-Anhalt, die mit dem Slogan „Land der Frühaufsteher“ geworben haben. Da bleibe ich doch lieber gleich liegen. Keine Ahnung was so eine Kampagne kostet, aber es ist nichts-sagend. Ungefähr so wie auf Facebook, wo man sich gegenseitig ein Hochglanzleben vortäuscht. Ich habe auch keine Patentlösung parat und bin manchmal auch ziemlich ziellos. Man kann aber nicht die Augen davor verschließen, das etwas faul ist im Freistaat Sachsen. Diese Selbstverliebtheit und Lokalpatriotismus geht mir Persönlich ziemlich auf die Nerven. Es erweckt den Eindruck, man muss eine Lüge nur so oft wiederholen, bis man selbst davon überzeugt ist. Jetzt bin ich wieder abgeschweift von meiner Mission. Ich sollte mich ja um die Bekehrung der ungläubigen Musikhörer kümmern. Mir schweben auch schon ein paar Ideen zur Programmgestaltung vor. Man könnte mit Hotte zusammen die einschlägigen Verdächtigen heimsuchen, so ab und zu. Ich kann es mir gut vorstellen, wenn wir zusammen durch einen Alptraum von Florian Silbereisen oder anderen abgehalfterten Showgrößen geistern. Schlagerinquisition on Tour so ungefähr. Das ganze könnte man ja auch erweitern. Der Weihnachtsmann schafft es ja auch in einer Nacht alle heimzusuchen.

Bewahrt einen klaren Kopf, seid wachsam! Euer Feind, der Teufel, streift wie ein brüllender Löwe umher und sucht jemanden, den er verschlingen kann!

Oh, da konnte jemand Gedanken lesen, Grüß Gott Saint Horst!

Hallo Meschugge, ich wollte bloß Schlimmeres verhindern, wenn du dich deinen Tagträumen und Gedanken hingibst. Der Gedanke mit den Alpträumen ist aber wirklich genial. Deine Überlegungen sind nicht von der Hand zu weisen. Man kann den Leuten nicht mehr mit solchen überholten Sachen, wie der Hölle und ewiger Verdammnis drohen. Appelle an das Gewissen funktionieren auch nicht. Alle verdrängen, das sie für ihr Verhalten einmal gerade stehen müssen. Der Tod ist auch nicht mehr existent im Leben.

Selbst mit Werbung für die Gute Saat werden wir nicht alle erreichen. Wenn wir aber die Träume der Leute kontrollieren, äh beeinflussen können, wäre es schon toll. Klar werden wir bei manchen selbsternannten Entertainer öfters vorbeischauen müssen, ehe sie geläutert sind.

Was hast du vor, du machst mir etwas Angst Meschugge. Irgendwie ist es wie bei den Geistern die ich rief…

Du musst keine Angst haben, ich bin nicht größenwahnsinnig.
Gottseidank, hast du schon konkrete Vorstellungen, wie das alles ablaufen soll?

Naja, irgendwie wüßte ich in die Träume der betreffenden Personen kommen. Dafür bräuchte ich deine Hilfe.

Meine Unterstützung hast du, ich müßte aber nochmal mit dem Chef sprechen, wie das rechtlich handhabbar ist und wie weit wir gehen können. Der Wandel muss aber langsam vollzogen werden. Nicht auszudenken, das dieser dauergrinsende Florian Silbereisen plötzlich über sein Leben nachdenkt und alles in Frage stellt. Das ist zuviel des Guten und wir hätten unser Medium verloren. Wir könnten seinen Einfuss nämlich ausnutzen und Millionen für die Gute Sache gewinnen.

Genial, soweit habe ich gar nicht gedacht. Wir lassen ihn die Drecksarbeit machen.

Drecksarbeit…? Ich weiß, du meinst es nicht so. Es wird nicht leicht werden.

Das mit der Drecksarbeit war auch nicht so gemeint. Mir graut es bloß davor, jede Nacht in irgendwelchen Träumen unterwegs zu sein und dort auf andere Untote der Unterhaltungsindustrie zu stoßen. Die meisten Konsumenten der seichten Unterhaltung haben nämlich eine Schlager/Pop Mischintoxikation. Ich habe sofort wieder Bilder im Kopf.

Ich weiß, du kannst dein Grinsen nicht verbergen. Lass mich bitte teilhaben.

Ich sehe mich gerade in einem Traum (männlich), wo sich unser Proband Andrea Berg, oder Helene Fischer vorstellt, ich lasse die Details aus. Die zwei Heulbojen singen zum Glück nicht. Also ich tauch plötzlich unvermittelt als einer der zwei Untoten der Amigos auf und möchte meinen Exorzismus beginnen…

Halt, Halt das geht etwas zu weit. Der Chef hat übrigens sein Okay gegeben, aber wir sollen es bitte nicht übertreiben. Mir ist zwar klar, das wir viel abwegiges und schauerliches sehen werden, aber wir werden als Saint Horst und Apostel Meschugge auftreten.

Hast du gerade Apostel gesagt…?

Ach das hatte ich ganz vergessen, dem Chef hat dein Vorschlag gefallen und ab jetzt bis du der Verkünder Meschugge.

Kann ich das auch als Titel in meinem Ausweis eintragen lassen?

Natürlich nicht. Jetzt aber mal zum Geschäft. Wie wollen wir die Traumbesuche, Musik und Anspruch kombinieren?

Wir können es doch als Special in die Radioshow integrieren. So kurz vor Mitternacht senden wir unseren Besuch der vorigen Nacht. Man könnte sogar noch ein Quiz einbauen, wo der Hörer Vorschlage machen kann, wem wir diese Nacht heimsuchen könnten.

Das hört sich aber sehr nach den kommerziellen Sendern an. Wer bis 23:00 anruft, bekommt gratis einen Schlagerexorzismus und eine Kaffeetasse mit dem Aufdruck Chuzpe.FM.

Okay, da gebe ich dir Recht. Es ging eben mit mir durch.

Das mit dem Integrieren in die Show ist okay, wir müssen etwas mit der Angst der Leute spielen. So nach dem Motto, dieses Nacht könnte ich auch Besuch der Schlagexorzisten bekommen. Obwohl Angst der falsche Begriff ist, wir wollen sie ja retten. Es darf aber nicht zur Belustigung verkommen.

Das ist mir klar, uns würde sonst niemand mehr ernst nehmen. Jetzt aber nochmal zur Mission. Ich fände es Anfangs besser, wenn wir durch wildfremde Träume stolpern und Werbung für unseren Sender Chuzpe.FM machen würden. So wie Santa Claus, bloß ohne Geschenke.
Wir könnten die Leute neugierig auf unseren Sender machen. Hast du nicht ein treffendes Bibelzitat parat?

Vielleicht Psalm 119,37: „Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege“

Klingt gut und hat Anspruch. Dann müssen wir aber wirklich Gas geben, damit der Sender einschlägt. Trotzdem würde ich gern ein paar Traumhausbesuche machen.

Du guckst so verschmitzt, du hast doch schon eine Idee?

Ja, ich würde gern Ross Antony das Fürchten lernen, äh ihn auf den Rechten Weg führen.

So soll es sein. Aber wie willst du, bei dieser albernen ADHS Schlagerprinzessin die Tiefensuggestion anwenden? Der oder die hält doch keine Minute still.

Da fällt mir schon etwas ein.

Fortsetzung folgt…

 

Pflugschare, Piratensender, Schrödingers Katze und die Gute Saat.

Die Revolution sollte  an einem Montag beginnen. Saint Horst hatte mir ein paar Wahlmöglichkeiten gelassen.

„Wir feiern 25 Jahre MDR – und ihr seid dabei als Programmmacher bei MDR JUMP.“

„Machen Sie Ihr Lieblingsradio noch besser – werden Sie RADIO PSR Musiktester!“

„DER GELDSCHEISSER HAUT DIE KOHLE RAUS Energy Sachsen“

„Die Radio Chemnitz Partyzone“

„Hitradio RTL wir sind Sachsen“

Die Auswahl viel mir leicht. Die Sender hatten wirklich einen sehr hohen Anspruch an sich, eigentlich haben sie gar keinen. Ich habe mich hingesetzt und mir die verschiedenen Streams angehört. Was soll ich sagen, Gewinnspiele, belanglose gepuschte Nachrichten, gequälte gute Laune, null Informationsgehalt  und langweilige Musik . Alle Streams übereinander gelegt ergeben eine wahre Kakophonie, ein weißes Rauschen. Für Patienten mit Tinnitus sehr zu empfehlen. Bei der Behandlung von Tinnitus werden auch die störenden Frequenzen mit einem Grundrauschen überlagert. Es waren fünf grausige Sender, die ich mir nie freiwillig angetan hätte. Es war zum Glück bloß für die Recherche und für kurze Zeit. Für mich kam eigentlich bloß ein Sender in Frage. Der MDR, den ihn finanzierte ich durch meinen Rundfunkbeitrag. Eigentlich verstoßen fast alle Radiosender in Sachsen, gegen das Grundgesetz Artikel (1) die Würde des Menschen ist unantastbar. Denn was sie bieten, ist unwürdig und wider des guten Geschmacks oder Bildungsauftrag. Zur Gleichen Zeit, wie ich mit meiner Mission beauftragt wurde, kam ein Kulturbericht des sächsischen Kultursenats mit dem Titel „Was ist los mit meinem Land?“ heraus. Es geht um Kultur & Politik, die von historischen Traditionen lebt, aber sich auch verändert kann. Man kann es in einem Satz für das Kulturland Sachsen formulieren, es soll alles so bleiben wie es ist. Hatte etwa Hotte seine Hände im Spiel, bei diesem Kulturbericht. War die Kultur in Sachsen doch noch nicht verloren? Bis jetzt war es wie das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze. Die Katze kann gedanklich ewig in dem Zustand zwischen tot und lebendig verharren, sowie die Medienlandschaft. Man müsste handeln und nicht im Dämmerzustand dahinsiechen. Saint Horst sprach ja von einer groß angelegten Aktion. Ich war ein kleines Rädchen in dieser Kulturrevolution. Oh Kulturrevolution, das klingt wie Bildersturm (Reformation) oder wie die Kreuzfahrer im Heiligen Land. Ganz so rücksichtslos und brutal sollte es natürlich nicht zugehen. Ich möchte die Leute aus ihrem Wachkoma rütteln, ohne Folgeschäden.

 „Du wirst ihre Radioantennen zu Pflugscharen schlagen und diese Unterhaltungsindustrie umpflügen, bis die Gute Saat aufgeht“

Wow, das war ein markige Ansage, äh Verkündigung. Ich war froh, das Hotte wieder erschien. Wenn man allein ist, kommt man ins Grübeln und Zweifeln, ob man wirklich der Richtige „Auserwählte“ ist. Es könnte auch sein, das ich alles träume, oder bin ich vielleicht doch wahnsinnig geworden. Alles vergessen, Hotte war ja da!

Hallo Meschugge, wie gehts? Hast du dir meine Vorschläge durch den Kopf gehenlassen?

Naja es geht so, ich war gerade am zweifeln, ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Sag mal, hast du die Hände bei diesem Kulturbericht im Spiel?

Wir haben Sachsen noch nicht aufgegeben, obwohl der Chef anfangs dagegen war. Er meint aber, jeder hat eine zweite, dritte… oder siebente Chance verdient.

Oh ich verstehe, sieben steht ja für Vollkommenheit. Wie wollen wir nun vorgehen?

Es ist bloß Zahlenmystik, Sachsen hat schon unzählige Versuche gehabt und fast alle vergeigt. Ich sag bloß friedliche Revolution, das war ein Lichtblick. Es war ein kurzes Aufflackern, danach ist es in ein hundertjährigen „christlich“ demokratischen Schlaf gefallen.

Mir schwant schlimmes, soll ich jetzt auch noch politisch aktiv werden? Das würde nur zu Kollateralschäden führen, oder zur Anarchie. Ich habe nämlich Sympathien für Martin Sonneborns Partei „die Partei“. Sehr gern, zitiere ich auch Jaroslav Hašek tschechische anarchistische Bewegung „Die Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“.

Haha, die Idee gefällt mir gut Anarchy in Saxony.

Ich würde mich aber gern auf die Musikmission beschränken, auf was habe ich mich da eingelassen. Am Ende muss ich noch die Welt retten.

Es geht um das große Ganze, das hatte ich am Anfang erwähnt. Jede Revolution hat einmal klein angefangen. Mit Sachsen bist du erstmal eine Weile beschäftigt. Der schlechte Geschmack ist ein speziell deutsches Problem. So jetzt mal Butter bei den Fischen. Die Idee, dich bei den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten als trojanisches Pferd unterzubringen, haben wir verworfen. Die Gefahr, das du in diesem seelenlosen Betrieb aufgerieben wirst ist zu groß.

Wie, was jetzt? Soll ich jetzt von Haus zu Haus ziehen, wie die Sternsinger oder die Zeugen Jehovas? Ich sehe es bildlich vor mir, wie ich bei wildfremden Leuten klingle und  „Ich würde gern mit ihnen über ihren schlechten Musikgeschmack sprechen“ sage. Das geht nicht gut, sie würden mich mit Schimpf und Schande aus dem Dorf jagen.

Man, deine Phantasie möchte ich haben Meschugge. Nein, wir planen das System zu unterwandern mit einem Piratensender.

Piratensender…?

Ja ein Piratensender, ein Offshore- Radio, so wie damals „Radio Caroline“. Die haben die BBC in die Knie gezwungen. Was ist schon eine kleine regionale Sendeanstalt (MDR) gegen die BBC.

Keine schlechte Idee, aber das war im vorigen Jahrhundert. Es gab bloß Radio. Jetzt kann man aus dem Internet Musik streamen oder downloaden.
Der Mensch ist aber ein Gewohnheitstier, er möchte sich berieseln lassen. Wir haben ja durch die Feinstaubbelastung (Cloud) die Hörgewohnheiten analysiert. Es ist immer das Gleiche, es möchte sich niemand die Mühe machen, nach neuer aufregender Musik mit Botschaften zu suchen.
Ja das weiß ich. Was ist aber, wenn niemand unseren Piratensender einschaltet?
Dafür haben wir ja dich, du bist in deiner Begeisterung und Enthusiasmus für Musik nicht zu toppen. Bis jetzt hast du alle überzeugt. Mal so im Geheimen, der Chef kannte die Band „Two Gallants“ überhaupt nicht. Jetzt läuft sie rauf und runter.
Oh das freut mich sehr, ich habe wohl einen heimlichen Follower auf Last.fm. Kann ich einmal eine indiskrete Frage stellen?
Ja schieß los!
Wenn ihr so einen Einfluss und uneingeschränkten Zugriff auf alles habt, wofür braucht ihr mich? Ich bin bloß ein Amateur und blutiger Anfänger gegen euer Wissen, Kompetenzen und Macht.
Die Frage lässt sich einfach klären. Es muss menschlich sein und nicht von oben herab. Ich weiß der Vergleich hinkt etwas, aber vor ca. 2000 Jahren haben wir auch überlegt, was wir machen. Ich hatte dann die Idee mit dem Tischler in Nazareth gehabt. Jesus stand ja schon in der Warteschleife und ich konnte sein Genörgel nicht mehr ertragen. Mal war ihm Island oder Sibirien zu kalt, Afrika war ihm zu warm und so weiter. Die Entscheidung viel dann eben, auf ein von Römern besetztes Land am Mittelmehr.
Ja der Vergleich hinkt, ich habe keine Wahl. Ich bin trotz meiner Unsicherheit und Bedenken bereit für die Mission. Ihr dürft mich bloß, nicht zu lange warten lassen, denn ich bin zwar schnell zu begeistern, aber ich zweifle auch sehr schnell.
Wir versuchen es ja, es geht sich aber nicht immer aus. Sachsen ist nicht der einzige Krisenherd.
Dafür habe ich auch Verständnis, ich bin eben ungeduldig und möchte loslegen.
Das wirst du auch Meschugge. Denn du hast die Chuzpe dafür.
Oh, ich mag jiddische Wörter. Das wäre doch auch ein guter Namen für den Piratensender, Chuzpe.FM?
Ich merke wir passen gut  zusammen, die Idee hätte von mir sein können. Du hast die nötige Frechheit und Dreistigkeit, die verlorenen Situation zum Guten zu wenden.

 

Vorstellung folgt…

Warten, Unsterblichkeit und der Stein des Schlagers.

Warten ist nicht gerade meine Stärke. Ich bin für gewöhnlich sehr ungeduldig. Man sieht in allem ein Zeichen, oder möchte es sehen. Es muss ja kein brennender Dornbusch sein oder die Jungfrau Maria, die mir erscheint. Bei letzteren würde dann Pockau-Lengefeld zum Wallfahrtsort. Vielleicht waren es die Spaghetti, die mir heute angebrannt sind. Es war aber kein Jesus oder wenigstens ein Papst in der verkohlten Masse zu erkennen. Schade eigentlich, das hätte sich gut bei Ebay verticken lassen. Aber warum soll Gott mir das Essen vermiesen. Ich mag eher klare Ansagen und nicht solche halbgare/angebrannte Sachen.

Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubet ihr nicht (Johannes 4:48)

Das klang jetzt etwas vorwurfsvoll Hotte, man macht sich halt Gedanken. Es ist schön das du wieder da bist. Nun kann es endlich es losgehen.

Ja da bin ich wieder, es gab ein paar Neuzugänge, die abgearbeitet werden mussten.

Das habe ich schon gelesen und in Gedanken habe ich mir schon die Stelle von Professor Gernot Simoni als Chef der Sachsenklinik ausgemalt.

An Größenwahn mangelt es dir nicht Meschugge. So sehr mir der Gedanke auch gefällt, dich als Chef der schnarchigen Sachsenklinik zu sehen, aber wir haben größeres vor. Vielleicht komme ich aber nochmal darauf zurück, etwas schwarzer Humor würde der Serie gut tun.

Ich hätte da schon ein paar Ideen, eine Mischung zwischen Dr. House und Dr. Postel als Chef. Die Schauspieler, die den Krankenhausalltag simulieren, würde ich nach und nach mit den schmierigen Laiendarstellern der Reality Sendungen (private Sender) austauschen. Dann würden bestimmt auch die Zuschauer erkennen, das dieser Schund nicht das reale Leben ist.

Ich komme darauf zurück versprochen. Was ist überhaupt mit deinen 101 Thesen, die du an die an das City-Hochhaus Leipzig nageln möchtest?

Naja so ganz habe ich ich sie noch nicht zusammen.

Jetzt kommen wir erstmal zu den Fakten. Wir haben uns die letzten Tagen einmal zusammengesetzt und überlegt, wo wir dich als trojanisches Pferd einschleusen können. Es gibt da eine Sendung für Voyeure, die nennt sich „Lebensretter“ und wird von einer Handpuppe S. Voss moderiert. Die Zuschauer würde es gar nicht merken, das wir diese fleischgeworde Betroffenheit gegen einen lebendigen Menschen austauschen.

Genau das habe ich erwartet, einmal Krankenfahrer immer Krankenfahrer. Ich dachte ihr wißt um meine Befindlichkeiten. Das trifft mich ganz schön. Zuerst bauchmiezeln, wir haben Großes mit dir vor und dann das. Ich möchte nicht, die schönsten Unglücke der DDR und anderen Schrott der geheuchelten Betroffenheit präsentieren. Dann lieber „Die große Show der Schlager mit Florian Silbereisen“. Ich habe gelesen, da tritt Hansi Hinterseer, Ross Antony und Santiano. Die ganze Mischpoke des schlechten Geschmackes auf einem Haufen. Think Big, kann ich bloß sagen.

Mensch Meschugge, du glaubst wirklich an das Gute im Menschen. Die Sendung ist doch schon aufgezeichnet worden. Man bekommt doch die ganzen abgehalfterten Schlagerheinis nicht zusammen. Die sind sich doch nicht grün.

Ach Menno, es wäre so schön gewesen. Ich hätte auch ein paar geniale Ideen. Wie wäre es mit dem falschen Playback für die „Künstler“. Wenn zum Beispiel das Föhnfrisurenmodell, Dauergrinser und Skihaserl Hansi Hinterseer zu einem Lied der singenden Klabautermänner auftritt? Oder Andrea Berg anstatt der üblichen Presswurstkleider (Sex sells) die Kleider von Malte Kelly auftragen muss. Ich würde sogar in der Maske Hand anlegen um Ross Antony hübsch zu machen, weil singen kann der eh nicht. Florian würde ich die Wahrheit über Helene erzählen, das sie eine russische Agentin ist. Sie soll im Auftrag Putins, das Schlagerpuplikum für eine Neubesiedlung des menschenleeren Sibiriens gewinnen, mit unterschwelligen Botschaften. Man ist Atemlos, wenn man bei -50 Grad die Notdurft im Freien verrichtet und sich der Wölfen erwehren muss.

Nee, nee so geht das nicht. Das wäre die brachiale Methode und die geht eigentlich immer schief. Wir müssen das Publikum langsam aus dem Koma holen.

Das dauert doch ewig, so wie bei Dornröschen. Ich möchte nicht hundert Jahre missionieren.

Du bist doch unsterblich.

Wie meinst du das jetzt. Muss ich wie Sisyphus den Stein des Schlagers, den ich eigentlich über die Klippe in den Abgrund stoßen möchte, jeden Tag aufs Neue den Berg hinaufrollen?

Ich bin beeindruckt von deinem sehr treffenden Vergleich. Es wäre wirklich schön, alles Schlechte dieser Welt auf einen Gegenstand zu projizieren. Man nennt es Sündenbock. Die Erde ist aber keine Scheibe. Irgendwann kämen die Schlagerzombies wieder aus ihren Löchern und würden ihr Unwesen weiter treiben.

Oh das ist ein schrecklicher Gedanke. The Walking Dead des Schlagers. Obwohl ich den Eindruck schon länger habe. Die meisten, dieser angeblichen Künstler sind im übertragenen Sinne schon tot. Sie werden von einer unbekannten Macht angetrieben noch mehr Zuschauer und Hörer zu infizieren. Jetzt aber bitte nochmal zu meiner Unsterblichkeit. Ich möchte nicht unsterblich sein.

Da ist mir aber wieder etwas rausgerutscht. Ich meinte natürlich die ewigen Existenz der Seele. Also wenn du stirbst, dann hörst du nicht auf zu existieren, sondern lebst weiter. Dein Ich bleibt bestehen.

Okay, hoffentlich nicht als Schlagerzombie…?

Nein, Meschugge du bist immun, du bist der Auserwählte.

Fortsetzung folgt…

 

 

Wachkoma,Verzweiflungsschlager und 101 Thesen wider dem schlechten Geschmackes.

Nach dem letzten furiosen Auftritt von Saint Horst warte ich auf meinen Einsatz. Ich dachte es geht sofort los. So ist es immer, zuerst bin ich Feuer und Flamme und dann werde ich im Stich gelassen. Okay, es ist Jammern auf hohen Niveau, zuerst wollte ich die Mission ja gar nicht annehmen. Inzwischen habe ich mich sogar vorbereitet. Nach ein paar Tagen Dienst von 07:00 -19:00 habe ich eine Überdosis Radio. Im Rettungswagen ist ein Radio eingebaut und man ist dem unvermeidlich ausgeliefert. Energy, Jump, PSR, Radio Chemnitz ich kann die ganze Soße nicht auseinanderhalten. In den Seniorenresidenzen (früher Pflegeheim) oder in den bedrohten Wohnen für Senioren läuft auch immer ein sedierender Radiosender. Wenn ich dort im Einsatz bin, ertappe ich mich öfters dabei, den Radiosender einfach mal umzustellen. Ich möchte aber nicht für die Folgeschäden aufkommen z.B. Wachkoma. Es ist als ob die verschiedenen Sender stündlich ihr Programm miteinander austauschen, aus Kostengründen. Nach 12 Stunden ist nichts hängengeblieben, es ist wie weißes Rauschen. Obwohl ich weißes Rauschen sehr mag. Ich vergleiche es immer mit meiner Lieblingsband Dinosaur jr. Infernalischer Krach, verzerrte Gitarren, Rückkopplungen, das ist weißes Rauschen. Der kleine Unterschied ist, unter dem ganzen Krach ist immer ein Grundgerüst, Harmonie oder Melodie zu hören. Kurz gesagt, es ist Genuss der sich einem erschließt. Am 21.11. war der No music day. Die Idee dahinter ist, einen ganzen Tag bewusst auf Musik zu verzichten.Man könnte es mit dem Fasten vergleichen, nach dem Fasten ist der Körper entschlackt und von allem Ballast und Schadstoffen befreit. Ich persönlich finde die Idee gut, aber dafür bin ich zu süchtig nach Musik. Bin wieder kurz abgeschweift. Ich wollte erzählen, wie ich mich vorbereitet habe. Ich wollte dahingehen wo es wirklich weh tut. Also habe ich mir die aktuellen Schlagercharts angesehen. Dabei bin ich über Platz 9 gestolpert. Ein gewisser Christian Franke mit dem Titel „Ich wünsche dir die Hölle auf Erden“. Der Name ist Programm. Es geht um eine verflossene Liebe. Eine „ménage à trois“, wo einer der Beteiligten den kürzeren zieht. Unterhaltungstechnisch eine sichere Nummer, auf Grund der Scheidungsraten in Deutschland. Ich nenne es mal Suizid oder Verzweiflungsschlager. Man merkt es ihm an, er hat das, worüber er „singt“ nie durchlebt, es ist einfach unterirdisch schlecht. Es gibt aber einen Markt für oberflächige Gefühle und Belanglosigkeiten. Ich bin sogar auf den Spuren des „großen“ Reformators(Luther)  gewandelt. Ich hätte 101 Thesen (wider dem schlechten Geschmackes), aber an welche Tür sollte ich sie nageln. Gott gib mir bitte ein Zeichen! 

Fortsetzung folgt…

Meschugge und das sächsische Medienkoma.

  • Ich wurde von einem gleißenden Licht und einer donnernden Stimme geweckt die da sprach…!
  • „Es begab sich aber zu der Zeit, da Angelika Merkel Landpflegerin von Deutschland war und die Zeichen auf Neuwahlen standen…“
  • Es war Saint Horst, er hatte es noch drauf! Kannst du Verkündigungsengel bitte einmal das Licht ausmachen und etwas leiser sprechen. Hier in Sachsen gilt das Landesimmissionsschutzgesetz zur Nachtruhe.
  • Das interessiert mich nicht, denn mich kann niemand außer dir hören Meschugge.
  • Das sagst du, meine Nachbarn hören alles was sie nicht hören sollen. Wie war das damals in Nazareth, da waren auch mehrere Hirten involviert und das gleißende Licht? Ich habe schon genug Follower auf Instagram und Facebook, da würde mir jetzt drei Heilige aus dem Morgenland noch fehlen.
  • Na gut, ich wollte deine erste Mission etwas theatralisch gestalten, so als Weckruf.
  • Das ist dir gelungen, ich bin wach und es ist 03.37. Das ist ja wie bei der Feuerwehr in Chemnitz. Da geht auch plötzlich mitten in der Nacht das Licht an und ein völlig übersteuerter Lautsprecher kündigt den Einsatz an.
  • Wir brauchen noch etwas Zeit zum reden und erklären. Die Situation hat sich etwas geändert. Deine Mission wurde leicht erweitert.
  • Wie erweitert? Das ist ja wie beim Fleischer oder Metzger, dürfen es noch hundert Gramm mehr sein. Deswegen also der flexible Parktikantenvertrag.
  • Es geht um dein Seelenheil, ich sag bloß „Atemlos“ durch die Schlagerhölle…
  • Ich habe es verstanden, was muss ich tun, äh wo kann ich helfen?
  • Das klingt schon besser. Es geht um das Schlagerbootcamp. Wir hatten ja gesagt, du musst dich in die Materie einarbeiten. Du musst leben, fühlen, denken und handeln wie dein Gegner.
  • Das mit dem Leben klingt bedrohlich, muss ich etwa auch singen und Schlager und belanglosen Pop vortragen?
  • Hey, du bringst mich auf Ideen. Nein du musst nicht singen. Unser Mann/Apostel wider dem grauslichen Medienangebotes (Fachgebiet Film & Fernsehen) ist nach seiner Einarbeitungsphase bei den privaten Sendern wahnsinnig geworden. Er hat diese ganzen Reality Sendungen (Mittags/Nachmittagsprogramm) nach einer Woche für das reale Leben gehalten. Wir denken aber, das du durch deinen Beruf im Rettungsdienst gefestigter bist.
  • Oh, danke für das Kompliment.
  • Wir denken, das du taff genug bist, du schaffst das. Wir fangen auch klein an. Du wirst eine Volontärstelle im Mitteldeutschen Rundfunk antreten.
  • Um Gotteswillen, ich soll in die Anstalt? Geht nicht ein anderes Sendestudio, z.B. der NDR? Die haben wenigsten nicht so ein schnarchiges Programm und trauen sich auch mal etwas zu produzieren, wie z.B. den Tatortreiniger. Ich möchte nicht zwischen Schlagersendungen, uralt Heimatschinken, Ostalgiesendungen (wie toll der Osten war) und der Sachsenklinik mein Dasein fristen.
  • Genau darum geht es ja, du sollst sie aus dem Hundertjährigen Schlaf rütteln. Apropos Sachsenklinik, du könntest ja dort als Komparse (Krankenfahrer) anfangen.
  • Nein niemals, nie im Leben, da lieber gehe ich freiwillig in die sprichwörtliche Schlagerhölle. Diese Darstellung meines Berufes ist so armselig, Komparse trifft es sehr gut und genau das wird dem Zuschauer vermittelt. Wir sind Handlanger und Taxifahrer. Ich würde alles verraten wofür ich stehe.
  • Hoho, ist ja schon gut, ich habe es verstanden. Dann fangen wir eben erstmal bei einem Spartensender an der sich jump nennt. Obwohl ich nicht so richtig weiß, ob Somnolente überhaupt noch springen können.
  • Der Witz war gut, fast das ganze Radiounterhaltungsprogramm in Sachsen ist somnolent, nein eher Komatös. Man fühlt sich in einer Endlosschleife gefangen, wie bei dem Film „und täglich grüßt das Murmeltier“. Es gibt bis auf MDR Kultur und Radio T keine ernsthaften Alternativen.
  • Hasta la vista, baby, make my day!
  • Sag jetzt nicht, Arnold Schwarzenegger hat den Spruch von dir? Saint Horst war schon verschwunden. War auch eine blöde Frage, natürlich hat Arnold den Spruch ausgeborgt.

Forstsetzung folgt…

Selbstzweifel und das Schlagerbootcamp.

Das Gespräch mit Saint Horst lies mich ziemlich ratlos zurück. Er erwähnte bloß etwas von einer Einarbeitungsphase, so etwas wie ein Schlagerbootcamp „Ich bin ein Schlagerstar, holt mich hier raus“. Mir graut es vor dem Gedanken, ich fürchte um meine mentale Gesundheit, wenn ich tagelang mit ihnen eingesperrt bin. Klar stimmt es, man muss seine Gegner verstehen und sich in sie reinversetzten können. Das erinnert mich an den Film „Einer flog über das Kuckucksnest“, Jack Nicholson hat sich ja auch angeblich in der Irrenanstalt auf seine Rolle vorbereitet. Was ist, wenn ich plötzlich Mitleid mit den Einsperrten habe und schlimmsten Falls, ein Stockholm-Syndrom entwickle. Ich möchte nicht in der Schlagerhölle enden, 2-3 Wochen sind ja überschaubar. Der größte Alptraum für mich wäre, jeden Morgen vom gut gelaunten und schmierigen Florian Silbereisen mit einem „Jetzt gehts los“ zu der Schlagerpolonaise durch die Schlagerhölle gejagt zu werden. Ich würde den Tag immer wieder erleben, bis in alle Ewigkeit. Das lässt mir den kalten Schweiß ausbrechen. Auf was habe ich mich da eingelassen?
Ich mache mir wieder viel zu viele Gedanken und denke zu kompliziert. Es wird schon schiefgehen, einfach so wie immer. Bis jetzt habe ich immer Glück (Masel tov) gehabt, für Prüfungen oder andere Sachen habe ich mich auch nie vorbereitet. Trotzdem kreisen meine Gedanken darum, warum ich. Wie die sprichwörtliche Jungfrau komme ich zum Kinde. Mein Lieblingsstatus auf WhatsApp ist ja auch Empfängnisbereit, wenn das mal nicht Programm ist.
Auf Arbeit (Pause) oder wenn ich Langweile habe und keiner zusieht, versuche ich im Selbsttest mir den Sinn solcher Sendungen zu erschließen. Länger als eine halbe Stunde halte ich es nicht aus, diese gequälte gute Laune. Was für Drogen nehmen die um eine komplette Sendung einzuspielen? Sind die Schlagersänger/in wirklich davon überzeugt, was sie singen. Machen sie es bloß für Geld und Ruhm? Die Erklärung das so viel schlimmes auf der Welt passiert und das man ein Stück heile Welt möchte, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann nicht auf Knopfdruck „Hossa“ gut gelaunt sein, das ist wie Fasching, Karneval und Sylvester, jetzt sind wir alle einmal gemütlich. Jetzt werden bestimmt viele sagen, Spielverderber, nein das bin ich nicht, ich kann lustig und unterhaltsam sein, aber nur wenn ich es möchte.
Gott wird schon wissen, was er mit mir vorhat. Er wird auch um meine Ängste und Bedenken wissen. Ich halte es einfach mit dem Psalm 33.4 „Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“.